Lorenzo Pompa

Geboren 1962, lebt und arbeitet in Düsseldorf

Kauderwelsch, 2020
Oil on canvas, 75 x 60 cm

Lorenzo Pompa

Geboren 1962, lebt und arbeitet in Düsseldorf

Curriculum Vitae

1962 Born in 1962 in Krefeld, Germany, up grown in Rom, Italy
1982 Bachelor German School Rom
1984–1986 Studies for interior design in Rom, Diploma
1994–1996 Studies for Architecture FH Düsseldorf
1996–2003 Studies at the Art academy Dusseldorf, Meisterschüler at Georg Herold class
Currently Lives and works in Dusseldorf

Grants and awards

2020 Kunstiftung NRW promotion of the catalogue „Sun Knows Whereto“
Erster Preis Kunst am Bau Wettbewerb (First prize contest for art-in-architecture), GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften, Mannheim
2013 Erster Preis Kunst am Bau Wettbewerb (First prize contest for art-in-architecture), Karlsruher Institut für Technologie Campus Nord – Neues Casino
2006 Scholarship Herrenhaus Edenkoben
2004 Kunststiftung NRW Förderung des Künstlerbuches „Lorenzo Pompa 2003–2009“ (Sponsorship artist’s book)
2003 Ogilvy & Mather, Föderpreis junge Skulptur (Sponsorship Award for young sculpture)
Lovells, Förderpreis Junge Skulptur (Sponsorship Award for sculpture)
2001 Traveling scholarship Kunstverein Düsseldorf
1999 Cité Internationale des Arts, Paris

Solo Exhibitions (selected)

2023 A Twitter at the Palisade, Van der Grinten Galerie, Köln / DE
2022 Ups & Downs (involvements and reflections in daily life), Kunst am Bau, MIWO GmbH, Bonn / DE
REAL TIME *BODY, Galerie BLOOM, Düsseldorf / DE
2021 Crates and other primitive things, Kunstverein Krefeld / DE
2019 Shared Spaces mit Martina Sauter Labor K ln
2018 Metaphors of Chance mit Petra Lemmerz, Villa Friede, Bonn
More and better Lies, de Zaal, Delft, NE
2016 Say You Do, mit Andi Fischer Asphalt Festival, Düsseldorf
2015 A foreign body, Eastmen Gallery, Hasselt, NL
2014 Epistolae Cucumeris, mit Marc Sabat, Banff Center of Arts, CA
2011 Loss & Gain, mit Marc Sabat, Villa Massimo, Rom, I
Father's Suit and Watch, mit Marc Sabat, The Stone, New York, USA
Leaving Santa Barbara mit Marc Sabat Villa Massimo, Rom, I
Epistolae Cucumeris, mit Marc Sabat Villa Massimo, Rom, I
2009 Father's Suit and Watch, Videoballett mit Marc Sabat, KankKleurFestival, Amsterdam NL
2006 Jenseits der Alpen, Kunstverein Rhein-Sieg, Siegburg

Group Exhibitions (selected)

2022 Vor und Hinter den Figuren (Before and behind the figures), with Roy Mordechay, Frans Roermond, Matthias Röhrborn, Van der Grinten Galerie, Köln
Die GROSSE 2022, Kunstpalast Düsseldorf
2021 Bestelltes Feld, Neuer Kunstraum, Düsseldorf
2019 Trickster Leipzig / Trickster Frankfurt a. Main / Fabric of Art – 701 e.V., Wuppertal
2015 Toter Winkel, kuratiert von Achim Sakic und Klaus Merkel, T66, Freiburg
2014 Hemsworth, Pompa, Maring, Thomas Rehbein Galerie, Bruxelles, BE
2013 Nuovo Bilancio, mit Bernd Holaschke, David Czupryn und Felix Schramm, Wuppertal
2010 Neue Alchemie, Landesmuseum Münster
2007 SkulpturSkulptur, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr
2004 Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf
2003 Galerie Vera Gliem, for believe i can fly, Köln
Bis ans Ende der Welt, Kunstverein Konstanz
2002 Schramm, Pompa, Schellberg, Kunstrasen, Düsseldorf, kuratiert von Tabea Langenkamp
Galerie De Zaal, Delft, NL

Lorenzo Pompa

A Twitter at the Palisades

September 1, 2023

 — 

November 4, 2023

In seiner aktuellen Ausstellung A Twitter at the Palisades vereint der Düsseldorfer Künstler Lorenzo Pompa alle jüngsten und für diese „Bühne“ entstandenen Arbeiten. Der Titel, wie oft bei Pompa eine Schöpfung mit Doppelsinn, läßt in unseren Köpfen ein Bild zur Schwelle des Unbekannten entstehen. Der weite Raum, in dem unser Anspruch auf Dominanz für immer verwehrt bleibt.

Ausstellungen sind für ihn immer Installationen: skulptural gedachte und organisierte Räume, die eine Zusammenschau der einzelnen Elemente erlauben, zu denen man sich im Raum bewegen und verhalten kann. Und, sobald man den Raum betreten hat, auch muss.

Seine Arbeit erzählt keine Geschichten, weder vor noch nach, noch maßt sie sich an, uns etwas zu erklären. Sie drängt vielmehr zu emotionaler Rührung. Sie zeigt uns anhand der Themen, die die gesamte Geschichte der Menschheit durchziehen, wie man dort hingelangt, an den inneren Ort der Berührung mit dem Wesen des Wesentlichen. 

Vielleicht klingen auf Grund seiner eigenen italienischen Herkunft auch hier und da drastische Bilder aus Filmen des Neoverismo an. Und durch. Ein neugieriger, gleichzeitig melancholischer und nicht selten erschrockener Blick auf die Menschen, die den Bedingungen des Menschseins ausgesetzt sind und deren Unversehrtheit keineswegs und durch nichts garantiert ist. Es kann dann schnell gehen: Der zunächst schleichende Prozess von Bevormundung hin zu roher Gewalt und Zerstörung. Das alles ist natürlich nur im Angesicht von Allegorien erträglich. Wie bei Pasolini’s Film Medea. Die Spannung zwischen profaner und mythologischer Welt.

Dieser menschliche Ausdruck, um den es immer geht, wütet in den Figuren, die wie rudimentär-biomorphe Lebensformen Pompa’s Bilder bevölkern. Sie sind wie im Gemälde „Colored multitude in it‘s abstract appearance (Oedipale)“ als Gruppe um den Niedergestreckten versammelt und verraten an Details, Attributen und „Öffnungen“ ihre Gemütsverfassung: Manche die pure Angst, andere vielleicht Genugtuung. Diese Figuren sind auf wesentliche, aber komplexe Elemente körperlicher Erscheinung reduziert und gleichzeitig voller Ausdruck menschlicher Psychologie.

Pompas Sprache ist von heute, aus der Jetztzeit. Da ist keine Ablenkung möglich. Gleichzeitig ist sie aber auch auf eine unbestimmbare Weise zeitlos. Man denkt unwillkürlich an Giotto oder Philipp Guston’s figürliche Gemälde der 60er und späteren Jahre. Eigentlich an beide. Die trennenden 600 Jahre fallen dabei nicht ins Gewicht. 

Lorenzo Pompa

A Twitter at the Palisades

September 1, 2023

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November 4, 2023

In seiner aktuellen Ausstellung A Twitter at the Palisades vereint der Düsseldorfer Künstler Lorenzo Pompa alle jüngsten und für diese „Bühne“ entstandenen Arbeiten. Der Titel, wie oft bei Pompa eine Schöpfung mit Doppelsinn, läßt in unseren Köpfen ein Bild zur Schwelle des Unbekannten entstehen. Der weite Raum, in dem unser Anspruch auf Dominanz für immer verwehrt bleibt.

Ausstellungen sind für ihn immer Installationen: skulptural gedachte und organisierte Räume, die eine Zusammenschau der einzelnen Elemente erlauben, zu denen man sich im Raum bewegen und verhalten kann. Und, sobald man den Raum betreten hat, auch muss.

Seine Arbeit erzählt keine Geschichten, weder vor noch nach, noch maßt sie sich an, uns etwas zu erklären. Sie drängt vielmehr zu emotionaler Rührung. Sie zeigt uns anhand der Themen, die die gesamte Geschichte der Menschheit durchziehen, wie man dort hingelangt, an den inneren Ort der Berührung mit dem Wesen des Wesentlichen. 

Vielleicht klingen auf Grund seiner eigenen italienischen Herkunft auch hier und da drastische Bilder aus Filmen des Neoverismo an. Und durch. Ein neugieriger, gleichzeitig melancholischer und nicht selten erschrockener Blick auf die Menschen, die den Bedingungen des Menschseins ausgesetzt sind und deren Unversehrtheit keineswegs und durch nichts garantiert ist. Es kann dann schnell gehen: Der zunächst schleichende Prozess von Bevormundung hin zu roher Gewalt und Zerstörung. Das alles ist natürlich nur im Angesicht von Allegorien erträglich. Wie bei Pasolini’s Film Medea. Die Spannung zwischen profaner und mythologischer Welt.

Dieser menschliche Ausdruck, um den es immer geht, wütet in den Figuren, die wie rudimentär-biomorphe Lebensformen Pompa’s Bilder bevölkern. Sie sind wie im Gemälde „Colored multitude in it‘s abstract appearance (Oedipale)“ als Gruppe um den Niedergestreckten versammelt und verraten an Details, Attributen und „Öffnungen“ ihre Gemütsverfassung: Manche die pure Angst, andere vielleicht Genugtuung. Diese Figuren sind auf wesentliche, aber komplexe Elemente körperlicher Erscheinung reduziert und gleichzeitig voller Ausdruck menschlicher Psychologie.

Pompas Sprache ist von heute, aus der Jetztzeit. Da ist keine Ablenkung möglich. Gleichzeitig ist sie aber auch auf eine unbestimmbare Weise zeitlos. Man denkt unwillkürlich an Giotto oder Philipp Guston’s figürliche Gemälde der 60er und späteren Jahre. Eigentlich an beide. Die trennenden 600 Jahre fallen dabei nicht ins Gewicht. 

Group Show

TRANSFORMATIONEN: MATERIAL & AUFLÖSUNG

Wolfgang Flad, Robert Currie, Fernando de Brito, Elger Esser, Pierre Faure, Rikako Kawauchi, Lorenzo Pompa, Rebecca Stevenson, Joseph Beuys

June 17, 2023

 — 

August 5, 2023

Wie der Titel bereits anklingen lässt, geht es um das alchemistische Moment in der Kunst. Vielleicht kann man es als Punkt der Aufladung bezeichnen, wo aus der leblosen, unscheinbaren Materie etwas entsteht, was kostbar, faszinierend, kraftvoll, einzigartig ist und dieses Element mit Absicht im Werk wahrnehmbar bleibt. Vielleicht um ein Staunen hervorzurufen, ein Zögern und Wittern, das die Betrachtenden in einen aktiven Akt des Dialoges mit dem Werk und seiner Ausstrahlung versetzt.

Die Ausstellung „Transformationen: Material & Auflösung“ vereint Werke von 11 internationalen Künstlerinnen und Künstlern, in denen Materialtransformationen eine zum Teil grundlegende Rolle spielen. Dabei begegnen uns Staub, Wachs, Papier, Nylon, Kunstharz, Spiegel, Silber, Glas, Tinte, Grafit und Gips.

Joseph Beuys (1921-1986) als Repräsentant der Nachkriegs-Avantgarde zählt zu den unbestritten einflussreichsten Künstlern, dessen Verständnis von Material (auch in alchemistischer Hinsicht) selbst vor dem Einsatz des eigenen Körpers nicht halt machte. In der Ausstellung zeigen wir 6 ganz stille, behutsame Frottage-Zeichnungen, die Mitte der 50er Jahre im Zusammenhang mit seinem Zinkrelief „Vor der Geburt“ entstanden sind. 

Die dreidimensionalen Werke der japanischen Malerin Rikako Kawauchi (*1990, lebt in Tokyo) sind aus Harz gegossene, fleischfarbene, schlauchartige Strukturen, die an organisch gewachsene Gebilde erinnern und trotz aller Abstraktion einen drastischen Realismus ausstrahlen.

Von Wolfgang Flad (*1974, lebt in Berlin) werden Arbeiten aus verschiedenen Werkgruppen gezeigt: Abstrakte Aluminiumreliefe, die zwischen der hochglanzpolierten Oberfläche und der grob porösen Textur der  unterschiedlich tiefen Einschläge oszillieren, farbig verspiegelte Wandarbeiten aus dem Zyklus ‚Dark Side of the Moon‘ und jüngste großformatige abstrakte Tableaus, deren unregelmäßige, sandige Oberfläche aus dem gesammelten Staub und den Sägespänen seines Atelierbodens gewonnen wird, farbig veredelt und transformiert.

Durch das malerische Übertragen einer fotografischen Vorlage auf eine Vielzahl dicht gespannter aber gegeneinander versetzter Nylonfäden schafft Robert Currie (*1976, lebt in London) dreidimensionale, optisch extrem suggestive und gleichzeitig immateriell erscheinende Wandarbeiten. Im Gegensatz dazu wirken seine abstrakten Arbeiten wie schemenhafte schwarze Spiegel.

Elger Esser (*1967, lebt in Düsseldorf) zeigt zwei kleinformatige Nachtlandschaften, in denen sich die schwarzen Silhouetten von Baumwipfeln im Gegenlicht des Mondes vor einem nächtlichen Himmel abzeichnen. Durch die besondere Technik des direkten Pigmentdrucks auf versilberte Kupferplatten wird das magische Gefühl wiedergegeben, in dem der Blick in tiefster Nacht die wenigen Lichtquelle wahrnimmt, um Räumlichkeit und Orientierung zu finden.

Die schwarz-weißen Fotografien von Pierre Faure (*1965, lebt in Paris) überraschen durch die extreme und subtile Verfremdung, die durch das Kippen der Perspektive, den kühn gewählten Ausschnitt und die Reduktion auf rein geometrische Strukturen den Blick auf Baugerüste völlig neu definiert.  

Mit mehr oder weniger spitzen Gegenständen ritzt Fernando de Brito (*1956, lebt in Hamburg) in die Schichten aus Öl und Tempera auf dem MDF-Träger, um abstrakte Gemälde aus einem Geflecht aus Linien zu schaffen. Das Oszillieren zwischen den teils streng angeordneten, vertikalen Linien und den freigezeichneten horizontalen scheint jede Komposition zum Pulsieren und Atmen zu bringen.

Der Niederländer Bas de Wit (*1977, lebt in Maastricht) verwandelt Abgüsse alter Skulpturen aus der Kunstgeschichte, von denen er neue, gröbere Abformungen macht, die er wiederum nochmal in farbigen Harzschichten ausgießt. Der Prozess lässt viel Raum für zufällige und kalkulierte Deformationen, so dass die neu entstandenen Skulpturen am Ende nur noch Reminiszenzen ihrer Vorbilder sind, von denen sie sich in Etappen emanzipiert haben, um ihr Eigenleben zu behaupten.

Wachs, das in der Kunstgeschichte wegen seiner Handhabbarkeit im angewandten Bereich oder für die Entwurfsstadien geplanter Skulpturen zum Einsatz kam, benutzt Rebecca Stevenson (*1971, lebt in London) im Gegensatz zum Hyperrealismus der 60er oder 90er Jahre für skulpturale Paraphrasen auf die Abbildung der Realität, die sich in ihren poetisch-makabren Allegorien wiederfindet. 

Neben den stets extrem farbigen Figurenallegorien in den Gemälden von Lorenzo Pompa (*1962, lebt in Düsseldorf) erscheinen immer wieder und wie im ständigen Dialog schwarz-silberne abstrakte Bilder, die die Ölfarbe in eine Minimal-Gestik drängen und je nach Größe zu fast grenzenlosen Texturen wachsen. In der Ausstellung wird die jüngste dieser Arbeiten hängen.

Michael Wittassek (*1958, lebt bei Köln) schließlich arbeitet überwiegend installativ mit Skulpturen aus gefalteten und gestauchten Bögen belichteter Fotopapiere. Wir zeigen aber mittelformatige schwarze Spiegelobjekte, die den ganzen Umraum und die Betrachtenden selbst in ihre spiegelnde konvexe Oberfläche einzusaugen scheinen. 

Group Show

TRANSFORMATIONEN: MATERIAL & AUFLÖSUNG

Wolfgang Flad, Robert Currie, Fernando de Brito, Elger Esser, Pierre Faure, Rikako Kawauchi, Lorenzo Pompa, Rebecca Stevenson, Joseph Beuys

June 17, 2023

 — 

August 5, 2023

Wie der Titel bereits anklingen lässt, geht es um das alchemistische Moment in der Kunst. Vielleicht kann man es als Punkt der Aufladung bezeichnen, wo aus der leblosen, unscheinbaren Materie etwas entsteht, was kostbar, faszinierend, kraftvoll, einzigartig ist und dieses Element mit Absicht im Werk wahrnehmbar bleibt. Vielleicht um ein Staunen hervorzurufen, ein Zögern und Wittern, das die Betrachtenden in einen aktiven Akt des Dialoges mit dem Werk und seiner Ausstrahlung versetzt.

Die Ausstellung „Transformationen: Material & Auflösung“ vereint Werke von 11 internationalen Künstlerinnen und Künstlern, in denen Materialtransformationen eine zum Teil grundlegende Rolle spielen. Dabei begegnen uns Staub, Wachs, Papier, Nylon, Kunstharz, Spiegel, Silber, Glas, Tinte, Grafit und Gips.

Joseph Beuys (1921-1986) als Repräsentant der Nachkriegs-Avantgarde zählt zu den unbestritten einflussreichsten Künstlern, dessen Verständnis von Material (auch in alchemistischer Hinsicht) selbst vor dem Einsatz des eigenen Körpers nicht halt machte. In der Ausstellung zeigen wir 6 ganz stille, behutsame Frottage-Zeichnungen, die Mitte der 50er Jahre im Zusammenhang mit seinem Zinkrelief „Vor der Geburt“ entstanden sind. 

Die dreidimensionalen Werke der japanischen Malerin Rikako Kawauchi (*1990, lebt in Tokyo) sind aus Harz gegossene, fleischfarbene, schlauchartige Strukturen, die an organisch gewachsene Gebilde erinnern und trotz aller Abstraktion einen drastischen Realismus ausstrahlen.

Von Wolfgang Flad (*1974, lebt in Berlin) werden Arbeiten aus verschiedenen Werkgruppen gezeigt: Abstrakte Aluminiumreliefe, die zwischen der hochglanzpolierten Oberfläche und der grob porösen Textur der  unterschiedlich tiefen Einschläge oszillieren, farbig verspiegelte Wandarbeiten aus dem Zyklus ‚Dark Side of the Moon‘ und jüngste großformatige abstrakte Tableaus, deren unregelmäßige, sandige Oberfläche aus dem gesammelten Staub und den Sägespänen seines Atelierbodens gewonnen wird, farbig veredelt und transformiert.

Durch das malerische Übertragen einer fotografischen Vorlage auf eine Vielzahl dicht gespannter aber gegeneinander versetzter Nylonfäden schafft Robert Currie (*1976, lebt in London) dreidimensionale, optisch extrem suggestive und gleichzeitig immateriell erscheinende Wandarbeiten. Im Gegensatz dazu wirken seine abstrakten Arbeiten wie schemenhafte schwarze Spiegel.

Elger Esser (*1967, lebt in Düsseldorf) zeigt zwei kleinformatige Nachtlandschaften, in denen sich die schwarzen Silhouetten von Baumwipfeln im Gegenlicht des Mondes vor einem nächtlichen Himmel abzeichnen. Durch die besondere Technik des direkten Pigmentdrucks auf versilberte Kupferplatten wird das magische Gefühl wiedergegeben, in dem der Blick in tiefster Nacht die wenigen Lichtquelle wahrnimmt, um Räumlichkeit und Orientierung zu finden.

Die schwarz-weißen Fotografien von Pierre Faure (*1965, lebt in Paris) überraschen durch die extreme und subtile Verfremdung, die durch das Kippen der Perspektive, den kühn gewählten Ausschnitt und die Reduktion auf rein geometrische Strukturen den Blick auf Baugerüste völlig neu definiert.  

Mit mehr oder weniger spitzen Gegenständen ritzt Fernando de Brito (*1956, lebt in Hamburg) in die Schichten aus Öl und Tempera auf dem MDF-Träger, um abstrakte Gemälde aus einem Geflecht aus Linien zu schaffen. Das Oszillieren zwischen den teils streng angeordneten, vertikalen Linien und den freigezeichneten horizontalen scheint jede Komposition zum Pulsieren und Atmen zu bringen.

Der Niederländer Bas de Wit (*1977, lebt in Maastricht) verwandelt Abgüsse alter Skulpturen aus der Kunstgeschichte, von denen er neue, gröbere Abformungen macht, die er wiederum nochmal in farbigen Harzschichten ausgießt. Der Prozess lässt viel Raum für zufällige und kalkulierte Deformationen, so dass die neu entstandenen Skulpturen am Ende nur noch Reminiszenzen ihrer Vorbilder sind, von denen sie sich in Etappen emanzipiert haben, um ihr Eigenleben zu behaupten.

Wachs, das in der Kunstgeschichte wegen seiner Handhabbarkeit im angewandten Bereich oder für die Entwurfsstadien geplanter Skulpturen zum Einsatz kam, benutzt Rebecca Stevenson (*1971, lebt in London) im Gegensatz zum Hyperrealismus der 60er oder 90er Jahre für skulpturale Paraphrasen auf die Abbildung der Realität, die sich in ihren poetisch-makabren Allegorien wiederfindet. 

Neben den stets extrem farbigen Figurenallegorien in den Gemälden von Lorenzo Pompa (*1962, lebt in Düsseldorf) erscheinen immer wieder und wie im ständigen Dialog schwarz-silberne abstrakte Bilder, die die Ölfarbe in eine Minimal-Gestik drängen und je nach Größe zu fast grenzenlosen Texturen wachsen. In der Ausstellung wird die jüngste dieser Arbeiten hängen.

Michael Wittassek (*1958, lebt bei Köln) schließlich arbeitet überwiegend installativ mit Skulpturen aus gefalteten und gestauchten Bögen belichteter Fotopapiere. Wir zeigen aber mittelformatige schwarze Spiegelobjekte, die den ganzen Umraum und die Betrachtenden selbst in ihre spiegelnde konvexe Oberfläche einzusaugen scheinen. 

Gruppenausstellung

Vor und hinter den Figuren

Roy Mordechay, Lorenzo Pompa, Frans Roermond

April 3, 2022

 — 

July 23, 2022

Inmitten der zahllosen Fragestellungen, die die Tradition der Moderne permanent aufwirft, bleibt eine grundlegende Frage: Was ist im Grunde ein Bild und was sind Künstlerin und Künstler? In einer frühen Phase der Modernen Kunst, als der Symbolismus sich durchsetzte, herrschte die Idee vor, dass der Gegenstand eines Gemäldes, ähnlich dem Gedicht, das Wesen der Dinge, der Welt sein müsse. Ihr Abbild. Etwas, dessen Wert und Bedeutung in seiner Unvergesslichkeit liegt, in seiner Ausstrahlung, seiner Sichtbarmachung von Empfindungen, die in der Vorstellung des Betrachters zusammenkommen und etwas Denkbares erzeugen, das jenseits seiner eigenen physischen Natur sein kann. Nicht nur ein Objekt, nein: ein Ebenbild.

Diese Art Idealismus provozierte ihre dialektische Erwiderung bei den Realisten, die es gerade als positiv ansahen, dass ein Gemälde viel weniger Ebenbild oder Idee sei als vielmehr ein Objekt. Realisten interessierten sich für den Gegenstand, nicht für seine Wesenhaftigkeit.

Selbst wenn es sich um kubistische oder sogar abstrakte Malereien handelte, wurden sie als konkrete Entitäten in einer Welt von und aus Dingen angesehen. Ein Problem für die Kunst des 20. Jahrhunderts wurde offensichtlich. In der Vergangenheit hatte man es als gegeben angesehen, dass Vergleichbarkeit die grundlegende Art der Wahrnehmung von Kunst sei. Aber in dem Maße, wie die Erkennbarkeit sich von der reinen Vergleichbarkeit löste, geriet die Malerei in die Situation, sich genötigt zu sehen, stattdessen Erinnerung und Empfindsamkeit zu bemühen. Ein paar Pinselstriche und voilà: Ein Bündel Spargel. Nicht realer Spargel, sondern eine Analogie dafür. Mit zunehmender Freiheit, aber auch, wenn Malerei irgendwie eins unter vielen Dingen wird, wird als direkte Folge daraus das zu Grunde liegende System der Analogien zunehmend hinterfragt. Und das wiederum provoziert beim Betrachter schließlich den Wunsch nach Rückführung, Reinigung oder Berichtigung. Wie ein gegenläufiger Pendelschlag. Alle bleiben gefangen in diesem Paradoxon.

Die vier aktuell in “Vor und hinter den Figuren” vorgestellten Maler sind sehr bewusst für eine dialogische Ausstellung im Spannungsfeld genuiner Malerei ausgewählt worden. Sie scheinen sich deutlich innerhalb der hier beschriebenen Entwicklungsgeschichte zu positionieren, und sie haben eine jeweils ganz eigene Sprache hierfür entwickelt. Es sind also Positionen, die die gegenständliche Malerei in erster Linie als Malerei ernst nehmen. Nicht nur in ihren gestalterischen Möglichkeiten, sondern auch in ihren herausfordernden Bedingungen, die ja ständig neu befragt werden. 

In Lorenzo Pompas Malerei ist die vielleicht stärkste Verwandtschaft zu Philip Guston zu spüren, der so etwas wie ein Ahnherr für diese genuine Malerei ist. Pompas Figuren sind auf wesentliche, aber komplexe Elemente körperlicher Erscheinung reduziert und gleichzeitig voller Ausdruck menschlicher Gefühle.

Auch in der Malerei von Roy Mordechay leuchten Elemente auf, die man bei Guston als so typisch empfindet: Segmentieren und Fragmentieren von Körperteilen und Rückbesinnung auf malerische Entdeckungen vergangener Epochen: bei Mordechay u.a. die Antike in Judäa. Frans Roermonds Malerei ist vielleicht am stärksten enigmatisch, merkwürdig zeitlos in ihrer ständigen Verschränkung von gegenständlich und abstrakt. Bei Matthias Röhrborn schließlich ist der Knall zwischen meisterhafter Beherrschung der Mittel und subversiver Aufbrechung am stärksten.

Es geht, bei aller individuellen Unterschiedlichkeit, bei jedem von ihnen um die Darstellung des Menschen, ob als Figur oder hinter ihr, mit uns im Vordergrund oder abwesend.

Malerei kann eben einfach nicht aufhören und auch nicht einfach aufhören.

Lorenzo Pompa (*1962) wuchs in Rom auf und studierte dort zunächst Innenraumgestaltung und Architektur und mit dem Umzug nach Deutschland anschließend von 1996 bis 2003 Malerei an der Düsseldorfer Akademie bei Georg Herold. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf. Frans Roermond (*1967) studierte Malerei in London, Berlin und New York, wo er seit 2017 nach langen Auslandsaufenthalten wieder lebt und arbeitet. Matthias Röhrborn (*1968) studierte von 1989 bis 1996 an der UdK Berlin. Er lebt dort und in Brandenburg. Roy Mordechay (*1976) ist in Haifa geboren und studierte von 1999 bis 2002 am Avni Institut of Art and Design in Tel Aviv. Er lebt und arbeitet zur Zeit in Düsseldorf.

Gruppenausstellung

Vor und hinter den Figuren

Roy Mordechay, Lorenzo Pompa, Frans Roermond

April 3, 2022

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July 23, 2022

Inmitten der zahllosen Fragestellungen, die die Tradition der Moderne permanent aufwirft, bleibt eine grundlegende Frage: Was ist im Grunde ein Bild und was sind Künstlerin und Künstler? In einer frühen Phase der Modernen Kunst, als der Symbolismus sich durchsetzte, herrschte die Idee vor, dass der Gegenstand eines Gemäldes, ähnlich dem Gedicht, das Wesen der Dinge, der Welt sein müsse. Ihr Abbild. Etwas, dessen Wert und Bedeutung in seiner Unvergesslichkeit liegt, in seiner Ausstrahlung, seiner Sichtbarmachung von Empfindungen, die in der Vorstellung des Betrachters zusammenkommen und etwas Denkbares erzeugen, das jenseits seiner eigenen physischen Natur sein kann. Nicht nur ein Objekt, nein: ein Ebenbild.

Diese Art Idealismus provozierte ihre dialektische Erwiderung bei den Realisten, die es gerade als positiv ansahen, dass ein Gemälde viel weniger Ebenbild oder Idee sei als vielmehr ein Objekt. Realisten interessierten sich für den Gegenstand, nicht für seine Wesenhaftigkeit.

Selbst wenn es sich um kubistische oder sogar abstrakte Malereien handelte, wurden sie als konkrete Entitäten in einer Welt von und aus Dingen angesehen. Ein Problem für die Kunst des 20. Jahrhunderts wurde offensichtlich. In der Vergangenheit hatte man es als gegeben angesehen, dass Vergleichbarkeit die grundlegende Art der Wahrnehmung von Kunst sei. Aber in dem Maße, wie die Erkennbarkeit sich von der reinen Vergleichbarkeit löste, geriet die Malerei in die Situation, sich genötigt zu sehen, stattdessen Erinnerung und Empfindsamkeit zu bemühen. Ein paar Pinselstriche und voilà: Ein Bündel Spargel. Nicht realer Spargel, sondern eine Analogie dafür. Mit zunehmender Freiheit, aber auch, wenn Malerei irgendwie eins unter vielen Dingen wird, wird als direkte Folge daraus das zu Grunde liegende System der Analogien zunehmend hinterfragt. Und das wiederum provoziert beim Betrachter schließlich den Wunsch nach Rückführung, Reinigung oder Berichtigung. Wie ein gegenläufiger Pendelschlag. Alle bleiben gefangen in diesem Paradoxon.

Die vier aktuell in “Vor und hinter den Figuren” vorgestellten Maler sind sehr bewusst für eine dialogische Ausstellung im Spannungsfeld genuiner Malerei ausgewählt worden. Sie scheinen sich deutlich innerhalb der hier beschriebenen Entwicklungsgeschichte zu positionieren, und sie haben eine jeweils ganz eigene Sprache hierfür entwickelt. Es sind also Positionen, die die gegenständliche Malerei in erster Linie als Malerei ernst nehmen. Nicht nur in ihren gestalterischen Möglichkeiten, sondern auch in ihren herausfordernden Bedingungen, die ja ständig neu befragt werden. 

In Lorenzo Pompas Malerei ist die vielleicht stärkste Verwandtschaft zu Philip Guston zu spüren, der so etwas wie ein Ahnherr für diese genuine Malerei ist. Pompas Figuren sind auf wesentliche, aber komplexe Elemente körperlicher Erscheinung reduziert und gleichzeitig voller Ausdruck menschlicher Gefühle.

Auch in der Malerei von Roy Mordechay leuchten Elemente auf, die man bei Guston als so typisch empfindet: Segmentieren und Fragmentieren von Körperteilen und Rückbesinnung auf malerische Entdeckungen vergangener Epochen: bei Mordechay u.a. die Antike in Judäa. Frans Roermonds Malerei ist vielleicht am stärksten enigmatisch, merkwürdig zeitlos in ihrer ständigen Verschränkung von gegenständlich und abstrakt. Bei Matthias Röhrborn schließlich ist der Knall zwischen meisterhafter Beherrschung der Mittel und subversiver Aufbrechung am stärksten.

Es geht, bei aller individuellen Unterschiedlichkeit, bei jedem von ihnen um die Darstellung des Menschen, ob als Figur oder hinter ihr, mit uns im Vordergrund oder abwesend.

Malerei kann eben einfach nicht aufhören und auch nicht einfach aufhören.

Lorenzo Pompa (*1962) wuchs in Rom auf und studierte dort zunächst Innenraumgestaltung und Architektur und mit dem Umzug nach Deutschland anschließend von 1996 bis 2003 Malerei an der Düsseldorfer Akademie bei Georg Herold. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf. Frans Roermond (*1967) studierte Malerei in London, Berlin und New York, wo er seit 2017 nach langen Auslandsaufenthalten wieder lebt und arbeitet. Matthias Röhrborn (*1968) studierte von 1989 bis 1996 an der UdK Berlin. Er lebt dort und in Brandenburg. Roy Mordechay (*1976) ist in Haifa geboren und studierte von 1999 bis 2002 am Avni Institut of Art and Design in Tel Aviv. Er lebt und arbeitet zur Zeit in Düsseldorf.