Ruth Marten

Born in New York, lives and works in New York

Was I Wazir? 2021
Ink, watercolor and Collage on Paper
51,4 x 38,4 cm

Ruth Marten

Born in New York, lives and works in New York

Curriculum Vitae

Born in New York / US
1967 High School of Art and Design, New York / US
1971 Graduate of the School of the Museum of Fine Arts, Boston / US
Current Lives and works in New York / US

Grants and awards

Solo Exhibitions (selected)

2019 Afterlife, My 20th Century, Van der Grinten Galerie, Cologne / DE
2018 Dream Lover, Max-Ernst Museum Brühl des LVR, Brühl / DE
2017 Dream Lover, Max-Ernst Museum Brühl des LVR, Brühl / DE 2017The Birds, John Marchant Gallery & Eagle Gallery, London / UK/ DE
2016 Fountains & Alligators, Van der Grinten Galerie, Cologne / DE
2013 The Unvarnished Truth, Van der Grinten Galerie, Cologne / DE
2012 A Treasure Hunt in a Lazare House, Isis Gallery, London / UK
Strange Bedfellows, Hosfelt Gallery, New York / US
2011 New Work, Hosfelt Gallery, New York / US
2009 Side-Saddle, Hosfelt Gallery, San Francisco / US
2008 Histore un-Naturelle, Isis Gallery, London / UK
2003 Red Planet, New Painting by Ruth Marten, Adam Baumgold Gallery, New York / US
1999 The Hurricane Series, Littlejohn Contemporary, New York / US
1997 The Wavy Bang, Littlejohn Contemporary, New York / US
1988 Bockley Gallery, New York / US

Group Exhibitions (selected)

2017/2018 What's New? Recent Acquisitions, New York Public Library, Wachenheim Gallery, New York / USA
Wunderkammer, Emma Hill Fine Art Eagle Gallery, London / UK
2017 Erwarten Sie Wunder! Das Museum als Kuriositätenkabinett und Wunderkammer, Ulmer Museum / DE
Wiesenstück, Van der Grinten Gallery, Cologne / DE
Tattooed New York, New-York Historical Society, New York / USA
2014 Reality Sandwich, Van der Grinten Galerie, Cologne / DE
Holding it Together – Collage, Montage, Assemblage, Hosfelt Gallery, San Francisco / US
2010/2011 Animal Instinct: Allegory, Allusion and Anthropomorphism, Kohler Arts Center, NY / US
2010 Surreal Reinventions, (with John Hundt), Palo Alto Art Center, Palo Alto / US
2009–2010 New Drawings, Arin Contemporary, Laguna Beach / US
2009 789 Gallery Beijing, Comme des Garcons graphics installation
/ CN
Hair Stories, Halsey Institute, Charleston / US
Museum Villa Rot, Burgrieden-Rot , Germany (travelled throughout Germany) / DE
2008 100 Stories, Hosfelt Gallery, New York / US
Fine Line, Adam Baumgold Gallery, New York / US
On Line, Adam Baumgold Gallery, New York, NY / US
2007 Drawn To The Edge, Adam Baumgold Gallery, New York / US
2006 Under The Skin, Asheville Art Museum, Asheville / USA
Twice Drawn, The Tang Museum at Skidmore College, Saratoga Springs / USA
2005 Idols of Perversity, Bellwether, New York / USA
Contemporary Erotic Drawing, The Aldrich Museum of Contemporary Art, CT / US
Words in Pictures, Adam Baumgold Gallery, New York / US
2004 Merry, Sideshow Gallery, Brooklyn / US
Innocence Found, DFN Gallery, New York / US
Mindscapes, Pavel Zoubok Gallery, New York / US
Headgames, Revolution, Ferndale / US
2003 Word Works, Adam Baumgold Gallery, New York / US
New Work, New Acquisitions, Adam Baumgold Gallery, New York / US
40 x 40, Adam Baumgold Gallery, New York / US
Double Visions, Adam Baumgold Gallery, New York / US
2002 Hair Stories, curated by Ruth Marten, Adam Baumgold Gallery, New York / US
2000 Summer Show, Littlejohn Contemporary, New York / US
Quirky, Adam Baumgold Gallery, New York / US
1999 Marks of Identity, American Museum of Natural History, New York / US
Sherry Leedy Contemporary Art, Kansas City / US
Shy, curated by Nan Goldin, Artists Space, New York / US
1978 Punk Art Exhibition, Washington Project for the Arts, Washington DC / USA
1977 X' Biennale de Paris, Palais de Tokyo, Musée d'art Moderne de la Ville de Paris, Paris / FR
1970 Crafts '70, Boston City Hall, Boston, Massachusetts / USA

Press & Publication (Selection)

2018 Book: Ruth Marten, Dream Lover, published by Max Ernst Museum Brühl des LVR (editor Achim Sommer), Wienand Verlag, Köln, 2018
2016 Book: Ruth Marten, Fountains & Alligators, published by Van der Grinten Galerie & BEL EPOK, Verlag Kettler, Dortmund, 2016
2013 Book: Ruth Marten, The Unvarnished Truth, published by Van der Grinten Galerie, Stefan Schülke Verlag Köln, 2013
Weird Fiction Review, 04/2013: The Subversive, Surreal and Irrepressibly Weird World of Ruth Marten, by Katie Lavers
2009 Hautnah – Das Haar in Kunst und Kultur, Museum Villa Rot
Trunk Volumen One: Hair, Boccalatte Pty. Ltd
Haare, Herlinde Koelbl, Hatje Cantz
2008 Carlo McCormack, Paper Magazine, April, 2008 New York
2007 Ruth Marten – Histoire-un-Naturelle, (w. essays by Dominque Nahas & Roger P. Thomas) Isis Editions, London
2004 Paul Klee and the Decorative Modern Art, Jenny Anger
2001 Tenderheaded, Juliette Harris and Pamela Johnson
1999 ohnson, Ken, “Ruth Marten at Littlejohn Contemporary.” The New York Times, Oct 22, 1999. Exhibition review
The New Yorker, Oct. 1999, Exhibition review

Gruppenausstellung

THE SCHUH SHOW

Co-kuratiert von 

Ruth Marten

November 5, 2022

 — 

February 11, 2023

Die Van der Grinten Galerie freut sich außerordentlich, eine Ausstellung vorzustellen, die gemeinsam mit der New Yorker Künstlerin Ruth Marten kuratiert und organisiert wurde.

Der Schuh. Als faszinierendes, reizvolles, geliebtes und nicht zuletzt verstörendes, ja polarisierendes Objekt, als historisches, sozial und politisch relevanter Alltagsgegenstand, als künstlerisch höchst inspirierendes Motiv war der Schuh Dreh- und Angelpunkt unserer Recherchen, Anfragen und Entdeckungen der zurückliegenden zwölf Monate. Ruth Marten, sie selbst eingeschlossen, hat in dem weit gespannten Kreis ihrer Künstlerfreunde und -freundinnen den Funken entfacht, ein neues Werk zu dem Thema zu schaffen. Viele Sammler entwickelten großen Spaß daran, sich mit Impulsen, Ideen und Hinweisen zu beteiligen. Wir konnten aus Privatsammlungen besondere Exponate hinzu leihen, und schließlich ergaben sich auch aus dem bestehenden Galerieprogramm einige schöne Ergänzungen. Daraus ist eine installative Ausstellung mit über 60 Werken von 37 Künstlerinnen und Künstlern entstanden, die nun in unserer Galerie zu entdecken sind, ein facettenreiches thematisches Ensemble aus Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, filmischen und dreidimensionalen Arbeiten sowie Fundobjekten.

Unser besonderer Dank gilt allen voran Ruth Marten und allen Künstlerinnen und Künstlern, die zu diesem Anlass neue Arbeiten geschaffen oder ältere Schätze zur Verfügung gestellt haben, aber auch den Kollegen, die uns unterstützt und den Freundinnen und Freunden und Privatsammlern aus Köln, Düsseldorf und Hamburg, die uns Leihgaben anvertraut haben.

Gruppenausstellung

THE SCHUH SHOW

Co-kuratiert von 

Ruth Marten

November 5, 2022

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February 11, 2023

Die Van der Grinten Galerie freut sich außerordentlich, eine Ausstellung vorzustellen, die gemeinsam mit der New Yorker Künstlerin Ruth Marten kuratiert und organisiert wurde.

Der Schuh. Als faszinierendes, reizvolles, geliebtes und nicht zuletzt verstörendes, ja polarisierendes Objekt, als historisches, sozial und politisch relevanter Alltagsgegenstand, als künstlerisch höchst inspirierendes Motiv war der Schuh Dreh- und Angelpunkt unserer Recherchen, Anfragen und Entdeckungen der zurückliegenden zwölf Monate. Ruth Marten, sie selbst eingeschlossen, hat in dem weit gespannten Kreis ihrer Künstlerfreunde und -freundinnen den Funken entfacht, ein neues Werk zu dem Thema zu schaffen. Viele Sammler entwickelten großen Spaß daran, sich mit Impulsen, Ideen und Hinweisen zu beteiligen. Wir konnten aus Privatsammlungen besondere Exponate hinzu leihen, und schließlich ergaben sich auch aus dem bestehenden Galerieprogramm einige schöne Ergänzungen. Daraus ist eine installative Ausstellung mit über 60 Werken von 37 Künstlerinnen und Künstlern entstanden, die nun in unserer Galerie zu entdecken sind, ein facettenreiches thematisches Ensemble aus Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, filmischen und dreidimensionalen Arbeiten sowie Fundobjekten.

Unser besonderer Dank gilt allen voran Ruth Marten und allen Künstlerinnen und Künstlern, die zu diesem Anlass neue Arbeiten geschaffen oder ältere Schätze zur Verfügung gestellt haben, aber auch den Kollegen, die uns unterstützt und den Freundinnen und Freunden und Privatsammlern aus Köln, Düsseldorf und Hamburg, die uns Leihgaben anvertraut haben.

Ruth Marten

THE SCHUH SHOW – Artist Statement

September 20, 2022

Der Ursprung dieses Co-Curating mit der Van der Grinten Galerie über Schuhe war der Besuch von Franz und mir im Jahr 2021 auf der Art Cologne, wo wir uns in die makabren Bleistiftzeichnungen von Rudolf Schlichter verliebten, die die Oxfordschuhe eines Mannes nebst Andeutung seiner Hose zeigten. Aber sie zeigten auch unverkennbare Schatten unter diesen Schuhen, die verrieten, dass es sich um einen erhängten Mann handelte. Dieses provokante und unwiderstehliche Bild hat uns sofort dazu inspiriert, weitere Werke zu finden, die sich ähnlich geheimnisvoll mit dem Schuh befassen.

Ich denke, wir haben eine sehr interessante „euro-amerikanische“ Mischung zusammengestellt, und obwohl ich nur über die von mir ausgewählten Werke sprechen kann, freue ich mich, dass wir ein so breites Spektrum an Medien haben, von Aquarellen und Collagen bis zu einer digitalen Skulptur aus einem 3 D-Drucker, einer Kugelschreiberzeichnung auf Leinen aus der Feder einer berühmten Tätowiererin aus San Francisco, der Toile-de-Jouy- Stickerei von Richard Saja, dem naturgetreuen Modell einer französischen Fregatte des australischen Künstlers Timothy Horn, Yvetta Fedorovas wundervollem Damenstiefel als Scherenschnitt, einem mit Samt gepolsterten Stiefel von Janet Stein aus Barcelona und Robert Fontanellis originellen modernistischen Sesseln als Schuhe, die modelliert und fotografiert wurden. Was die kuriosen Fundstücke angeht, die ich auf den Flohmärkten in New York und Mexiko-City gesammelt habe, so bin ich ganz vernarrt in sie: das Vitrinchen eines Momento Mori aus dem frühen 20. Jahrhundert, das Beerdigungsutensilien enthält: schwarze Schuhe, schwarzer Hut und Schleier, ein echtes Haarteil und die Fotografie, die die Trägerin in dieser vollen Montur zeigt; die mexikanische Schuhputzdose, von der ich lediglich den Deckel als Wandrelief behalten habe; das Aquarell auf Zellstoffpapier eines chinesischen Schusters, ein sehr seltenes Überbleibsel einer Praxis, bei der Originalaquarelle als Einpackpapier benutzt wurden, um westliche Käufer anzulocken. Warhols Beitrag spricht für sich selbst, und es waren seine kommerziellen Schuhillustrationen aus den 1950er Jahren, die die Aufmerksamkeit auf ihn als großen Künstler lenkten. Aber die Aufnahme von zwei Collagen von Antonio Lopez auf seinem Briefpapier für die Carnegie Hall erfordert etwas Hintergrundwissen: Antonio Lopez, der mit seinem kreativen Mitarbeiter Juan Ramos zusammenarbeitete, war einer der bedeutendsten Modeillustratoren seiner Zeit. Von den frühen 1960er Jahren bis zu seinem Tod 1987 arbeiteten er und Juan vor allem in New York und Paris und waren für den höchst avantgardistischen Ansatz ihrer Illustrationen bekannt, die farbige Modelle, kunsthistorische Motive und die queere Subkultur einschlossen. Wenn Sie diese Zeit erlebt haben, kennen Sie Lopez.

Also der Schuh. Diese kleine „Notwendigkeit“, die wir alle kennen, die wir alle besitzen, ohne die wir uns nicht bewegen können, hat zahlreiche Aspekte. Ich zähle fünf: Architektur, Fantasie/ Mode, Bescheidenheit/Nützlichkeit, Theatralik und als Zeuge. Am Unmittelbarsten zeigt das das Video von Deborah Luster, die seit vielen Jahren Insassen des berüchtigten Angola-Gefängnisses in Louisiana fotografiert: Ein Mann, der in einem für diesen Anlass geliehenen Paar Steppschuhe einen Moment von Unabhängigkeit erlebt. Ich nenne das, ein Zeuge zu sein. Ein Aquarell von Sasha Brodsky zeigt die Stiefel seines verstorbenen Freundes auf dem Kachelboden seiner römischen Wohnung und bedient sich eines ganz anderen Mittels: Es lässt uns an seiner Erinnerung teilhaben. Scott Teplin, Künstler und Fotoredakteur in New York, ist eine Mischung aus Zeuge und Fantast, mit einer deutlichen Neigung zur Architektur. Er wurde vom Foto eines Autounfalls beeindruckt, auf dem ein einzelner Schuh auf der Straße zu sehen war, und schuf aus dem einzelnen einen vielteiligen Schuhberg, der an das Autowrack erinnert. Der Dichter Max Blagg hat für die Ausstellung ein Gedicht verfasst, das er auf mein Drängen hin in die Form eines Frauenpumps getippt und dann ins Deutsche übersetzt hat. Colette Robbins’ außergewöhnliches, archaisch anmutendes Monument deutet auf alte Zivilisationen hin, obwohl es digital gedruckt wurde. Justen Ladda, ein deutscher Künstler, der seit langem in der New Yorker Lower East Side lebt, nutzte seine erstaunlichen Fähigkeiten, um ein räumlich wirkendes Bild zu schaffen, das mittelalterliche Sabatons darstellt. Es gibt zu viele wunderbare und einfallsreiche Werke, um sie alle hier zu beschreiben.

Ich hoffe, Sie werden Spaß haben, wenn Sie die Ausstellung sehen.

Ruth Marten, 20. September 2022, NYC

Ruth Marten

THE SCHUH SHOW – Artist Statement

September 20, 2022

Der Ursprung dieses Co-Curating mit der Van der Grinten Galerie über Schuhe war der Besuch von Franz und mir im Jahr 2021 auf der Art Cologne, wo wir uns in die makabren Bleistiftzeichnungen von Rudolf Schlichter verliebten, die die Oxfordschuhe eines Mannes nebst Andeutung seiner Hose zeigten. Aber sie zeigten auch unverkennbare Schatten unter diesen Schuhen, die verrieten, dass es sich um einen erhängten Mann handelte. Dieses provokante und unwiderstehliche Bild hat uns sofort dazu inspiriert, weitere Werke zu finden, die sich ähnlich geheimnisvoll mit dem Schuh befassen.

Ich denke, wir haben eine sehr interessante „euro-amerikanische“ Mischung zusammengestellt, und obwohl ich nur über die von mir ausgewählten Werke sprechen kann, freue ich mich, dass wir ein so breites Spektrum an Medien haben, von Aquarellen und Collagen bis zu einer digitalen Skulptur aus einem 3 D-Drucker, einer Kugelschreiberzeichnung auf Leinen aus der Feder einer berühmten Tätowiererin aus San Francisco, der Toile-de-Jouy- Stickerei von Richard Saja, dem naturgetreuen Modell einer französischen Fregatte des australischen Künstlers Timothy Horn, Yvetta Fedorovas wundervollem Damenstiefel als Scherenschnitt, einem mit Samt gepolsterten Stiefel von Janet Stein aus Barcelona und Robert Fontanellis originellen modernistischen Sesseln als Schuhe, die modelliert und fotografiert wurden. Was die kuriosen Fundstücke angeht, die ich auf den Flohmärkten in New York und Mexiko-City gesammelt habe, so bin ich ganz vernarrt in sie: das Vitrinchen eines Momento Mori aus dem frühen 20. Jahrhundert, das Beerdigungsutensilien enthält: schwarze Schuhe, schwarzer Hut und Schleier, ein echtes Haarteil und die Fotografie, die die Trägerin in dieser vollen Montur zeigt; die mexikanische Schuhputzdose, von der ich lediglich den Deckel als Wandrelief behalten habe; das Aquarell auf Zellstoffpapier eines chinesischen Schusters, ein sehr seltenes Überbleibsel einer Praxis, bei der Originalaquarelle als Einpackpapier benutzt wurden, um westliche Käufer anzulocken. Warhols Beitrag spricht für sich selbst, und es waren seine kommerziellen Schuhillustrationen aus den 1950er Jahren, die die Aufmerksamkeit auf ihn als großen Künstler lenkten. Aber die Aufnahme von zwei Collagen von Antonio Lopez auf seinem Briefpapier für die Carnegie Hall erfordert etwas Hintergrundwissen: Antonio Lopez, der mit seinem kreativen Mitarbeiter Juan Ramos zusammenarbeitete, war einer der bedeutendsten Modeillustratoren seiner Zeit. Von den frühen 1960er Jahren bis zu seinem Tod 1987 arbeiteten er und Juan vor allem in New York und Paris und waren für den höchst avantgardistischen Ansatz ihrer Illustrationen bekannt, die farbige Modelle, kunsthistorische Motive und die queere Subkultur einschlossen. Wenn Sie diese Zeit erlebt haben, kennen Sie Lopez.

Also der Schuh. Diese kleine „Notwendigkeit“, die wir alle kennen, die wir alle besitzen, ohne die wir uns nicht bewegen können, hat zahlreiche Aspekte. Ich zähle fünf: Architektur, Fantasie/ Mode, Bescheidenheit/Nützlichkeit, Theatralik und als Zeuge. Am Unmittelbarsten zeigt das das Video von Deborah Luster, die seit vielen Jahren Insassen des berüchtigten Angola-Gefängnisses in Louisiana fotografiert: Ein Mann, der in einem für diesen Anlass geliehenen Paar Steppschuhe einen Moment von Unabhängigkeit erlebt. Ich nenne das, ein Zeuge zu sein. Ein Aquarell von Sasha Brodsky zeigt die Stiefel seines verstorbenen Freundes auf dem Kachelboden seiner römischen Wohnung und bedient sich eines ganz anderen Mittels: Es lässt uns an seiner Erinnerung teilhaben. Scott Teplin, Künstler und Fotoredakteur in New York, ist eine Mischung aus Zeuge und Fantast, mit einer deutlichen Neigung zur Architektur. Er wurde vom Foto eines Autounfalls beeindruckt, auf dem ein einzelner Schuh auf der Straße zu sehen war, und schuf aus dem einzelnen einen vielteiligen Schuhberg, der an das Autowrack erinnert. Der Dichter Max Blagg hat für die Ausstellung ein Gedicht verfasst, das er auf mein Drängen hin in die Form eines Frauenpumps getippt und dann ins Deutsche übersetzt hat. Colette Robbins’ außergewöhnliches, archaisch anmutendes Monument deutet auf alte Zivilisationen hin, obwohl es digital gedruckt wurde. Justen Ladda, ein deutscher Künstler, der seit langem in der New Yorker Lower East Side lebt, nutzte seine erstaunlichen Fähigkeiten, um ein räumlich wirkendes Bild zu schaffen, das mittelalterliche Sabatons darstellt. Es gibt zu viele wunderbare und einfallsreiche Werke, um sie alle hier zu beschreiben.

Ich hoffe, Sie werden Spaß haben, wenn Sie die Ausstellung sehen.

Ruth Marten, 20. September 2022, NYC

Ruth Marten

The Moon’s Mirror

November 20, 2021

 — 

January 30, 2022

The Moon’s Mirror ist Ruth Martens bereits vierte Einzelausstellung, die die Van der Grinten Galerie der New Yorker Künstlerin widmet, und wir freuen uns sehr, dass Ruth Marten auch persönlich zur Eröffnung nach Köln kommen wird.

Das Frühjahr des Jahres 2020 und die sich anschließende Zeit bis in den diesjährigen Sommer – einer beunruhigenden und äußerst herausfordernden Zeit – war sicherlich für alle von uns ein massiver Einschnitt. In New York City, Ruth Martens Lebensmittelpunkt, war die Situation von Anfang an dramatisch und schien für lange Zeit nahezu ausweglos. Was blieb, war neben dem Funken und Telefonieren in alle Himmelsrichtungen vor allem das Durchforschen des eigenen Raums: das Öffnen von Schachteln, Büchern, Ordnern und Mappen und das Durchspülen selbst der kleinsten Schnipsel Papier mit Leben.

Ruth Marten schreibt über diese Zeit:„Während ich in erzwungener Einsamkeit lebte, fühlte ich mich nichtsdestoweniger sehr verbunden mit meiner Community und all den Leben, die wir zusammen erfunden haben. Das Phänomen der Verbundenheit kam in den Zeichnungen zum Tragen, und überrascht sah ich, wie sehr die »Apparate« mich an Perpetuum-Mobile-Maschinen erinnerten. Auch sind manche Bilder mit Informationen vollgestopft, andere dagegen recht karg. Ich liebe diese Kinder gleichermaßen und versuche für ihr Ausschlüpfen empfänglich zu sein.“

Wohl im permanenten Wechsel entstanden die unter sich sehr unterschiedlichen Papierarbeiten, explosionshaft und mikrokosmisch, verrätselt und offensiv, verletzlich und rabiat, zuweilen düster, und doch voller pulsierendem, unverwüstlichem Humor.

Wenn wir Ihre Retrospektive im Brühler Max Ernst Museum 2018-2019 vor Augen haben, die bereits einen überwältigenden Einblick in Ruth Martens facettenreiches Schaffen der letzten 40 Jahre ermöglichte, erleben wir nun inmitten dieser jüngsten Werken, dass sich die Dynamik in ihrer künstlerischen Suche weiter fortsetzt.

In der Ausstellung ‚The Moon’s Mirror’ finden sich zwar alle technischen Mittel von Ruth Marten wieder – Tusche, Aquarell, Gouache, Collage, Verwendung von druckgrafischen Bildvorlagen aus dem 18. und Fotografien aus dem später 19. und frühen 20. Jahrhundert. Um so spannender ist es aber zu sehen, welche Spannbreite diese Arbeiten bespielen: Ein Teil der Bilder stellt rätselhaft-poetische, surreale Szenerien dar, in denen das Imaginäre leicht hinein taucht und beflügelt wird, wie zum Beispiel die punktuellen Eingriffe auf den alten kleinformatigen Fotoportraits – eine nach Martenschen Stil surrealistische Portraitgalerie. Ein anderer Teil der Werke greift nach etwas anderem, einer Freiheit, die mit Sprengung und Zerstörung der üblichen kompositorischen Gewohnheiten einhergeht. Es sind extrem reduzierte Kompositionen aus wenigen, mit Tusche gezeichneten und collagierten Elementen, die fast wie Fremdkörper durch das leere Blatt Papier schweben. Die Balance wird mit künstlerischem Instinkt austariert. Ganz überladen mit Farbflächen und Elementen sind hingegen andere Werke, die eine kühne, mosaikartige Mischung aus Abstraktem und Figürlichem wagen und nach akribischer Betrachtung verlangen.

Ruth Martens Arbeiten sind in zahlreichen privaten und institutionellen europäischen und nordamerikanischen Sammlungen vertreten.

Ruth Marten

The Moon’s Mirror

November 20, 2021

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January 30, 2022

The Moon’s Mirror ist Ruth Martens bereits vierte Einzelausstellung, die die Van der Grinten Galerie der New Yorker Künstlerin widmet, und wir freuen uns sehr, dass Ruth Marten auch persönlich zur Eröffnung nach Köln kommen wird.

Das Frühjahr des Jahres 2020 und die sich anschließende Zeit bis in den diesjährigen Sommer – einer beunruhigenden und äußerst herausfordernden Zeit – war sicherlich für alle von uns ein massiver Einschnitt. In New York City, Ruth Martens Lebensmittelpunkt, war die Situation von Anfang an dramatisch und schien für lange Zeit nahezu ausweglos. Was blieb, war neben dem Funken und Telefonieren in alle Himmelsrichtungen vor allem das Durchforschen des eigenen Raums: das Öffnen von Schachteln, Büchern, Ordnern und Mappen und das Durchspülen selbst der kleinsten Schnipsel Papier mit Leben.

Ruth Marten schreibt über diese Zeit:„Während ich in erzwungener Einsamkeit lebte, fühlte ich mich nichtsdestoweniger sehr verbunden mit meiner Community und all den Leben, die wir zusammen erfunden haben. Das Phänomen der Verbundenheit kam in den Zeichnungen zum Tragen, und überrascht sah ich, wie sehr die »Apparate« mich an Perpetuum-Mobile-Maschinen erinnerten. Auch sind manche Bilder mit Informationen vollgestopft, andere dagegen recht karg. Ich liebe diese Kinder gleichermaßen und versuche für ihr Ausschlüpfen empfänglich zu sein.“

Wohl im permanenten Wechsel entstanden die unter sich sehr unterschiedlichen Papierarbeiten, explosionshaft und mikrokosmisch, verrätselt und offensiv, verletzlich und rabiat, zuweilen düster, und doch voller pulsierendem, unverwüstlichem Humor.

Wenn wir Ihre Retrospektive im Brühler Max Ernst Museum 2018-2019 vor Augen haben, die bereits einen überwältigenden Einblick in Ruth Martens facettenreiches Schaffen der letzten 40 Jahre ermöglichte, erleben wir nun inmitten dieser jüngsten Werken, dass sich die Dynamik in ihrer künstlerischen Suche weiter fortsetzt.

In der Ausstellung ‚The Moon’s Mirror’ finden sich zwar alle technischen Mittel von Ruth Marten wieder – Tusche, Aquarell, Gouache, Collage, Verwendung von druckgrafischen Bildvorlagen aus dem 18. und Fotografien aus dem später 19. und frühen 20. Jahrhundert. Um so spannender ist es aber zu sehen, welche Spannbreite diese Arbeiten bespielen: Ein Teil der Bilder stellt rätselhaft-poetische, surreale Szenerien dar, in denen das Imaginäre leicht hinein taucht und beflügelt wird, wie zum Beispiel die punktuellen Eingriffe auf den alten kleinformatigen Fotoportraits – eine nach Martenschen Stil surrealistische Portraitgalerie. Ein anderer Teil der Werke greift nach etwas anderem, einer Freiheit, die mit Sprengung und Zerstörung der üblichen kompositorischen Gewohnheiten einhergeht. Es sind extrem reduzierte Kompositionen aus wenigen, mit Tusche gezeichneten und collagierten Elementen, die fast wie Fremdkörper durch das leere Blatt Papier schweben. Die Balance wird mit künstlerischem Instinkt austariert. Ganz überladen mit Farbflächen und Elementen sind hingegen andere Werke, die eine kühne, mosaikartige Mischung aus Abstraktem und Figürlichem wagen und nach akribischer Betrachtung verlangen.

Ruth Martens Arbeiten sind in zahlreichen privaten und institutionellen europäischen und nordamerikanischen Sammlungen vertreten.

Ruth Marten

The Moon’s Mirror – Artist Statement

September 13, 2021

Perhaps as a counterbalance to house quarantine, I found myself making pictures differently from my usual process.

No concept, no meaning, not even allowing for what it might inevitably look like. Literally starting bottom left and letting it develop by chance across the page, terrifying but exhilarating. 

Being an Elder Human I’ve often plowed through the Fields of Meaning. Now I wonder at the trust and comfort I took from those easy explanations. Frank Zappa wrote a very pithy song in the 1960’s, “ It can’t happen here”, but clearly it can and it did. When one’s understandings are turned on their heads, what do we save and what is discarded? These drawings are my investigation into that distinction.

Concurrent with embracing this work method was the desire to chop up my archive of old prints with which I’ve worked for 15 years. Old friends waiting patiently for their turn in the sun, parts of which I’d saved and savored, their original meaning long eclipsed by the science to come. Stripped of content they become eccentric linear concoctions, accessories to imagination. The antique prints were originally chosen as found objects. Now, through cutting up and fragmenting them, my inclinations for composition and energy are amplified many times over. Rather than a starting place for satire or absurd pastiche, the print pieces become a great source of curls, snaking lines, fabulous textures and mystery organs, all freed of their original meaning. 

While living in enforced solitude, I nonetheless felt very connected to my community and the lives we had invented together. The phenomenon of connectivity played out in the drawings and I was surprised to see how the “devices” reminded me of perpetual motion machines. Also, some pictures are jammed with information while others are quite barren. I love these children equally and try to be sensitive to their hatching.

I’m interested in expanding my traditional approach to picture making and, perhaps, I was able to do that a little with these works which provide a break from illustrating and from dutiful labor. We don’t need another voice to describe the world.

I just want a new world.        

Ruth Marten, September 13, NYC

Ruth Marten

The Moon’s Mirror – Artist Statement

September 13, 2021

Perhaps as a counterbalance to house quarantine, I found myself making pictures differently from my usual process.

No concept, no meaning, not even allowing for what it might inevitably look like. Literally starting bottom left and letting it develop by chance across the page, terrifying but exhilarating. 

Being an Elder Human I’ve often plowed through the Fields of Meaning. Now I wonder at the trust and comfort I took from those easy explanations. Frank Zappa wrote a very pithy song in the 1960’s, “ It can’t happen here”, but clearly it can and it did. When one’s understandings are turned on their heads, what do we save and what is discarded? These drawings are my investigation into that distinction.

Concurrent with embracing this work method was the desire to chop up my archive of old prints with which I’ve worked for 15 years. Old friends waiting patiently for their turn in the sun, parts of which I’d saved and savored, their original meaning long eclipsed by the science to come. Stripped of content they become eccentric linear concoctions, accessories to imagination. The antique prints were originally chosen as found objects. Now, through cutting up and fragmenting them, my inclinations for composition and energy are amplified many times over. Rather than a starting place for satire or absurd pastiche, the print pieces become a great source of curls, snaking lines, fabulous textures and mystery organs, all freed of their original meaning. 

While living in enforced solitude, I nonetheless felt very connected to my community and the lives we had invented together. The phenomenon of connectivity played out in the drawings and I was surprised to see how the “devices” reminded me of perpetual motion machines. Also, some pictures are jammed with information while others are quite barren. I love these children equally and try to be sensitive to their hatching.

I’m interested in expanding my traditional approach to picture making and, perhaps, I was able to do that a little with these works which provide a break from illustrating and from dutiful labor. We don’t need another voice to describe the world.

I just want a new world.        

Ruth Marten, September 13, NYC

Ruth Marten

Afterlife, my 20th Century

November 22, 2019

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February 1, 2020

Seit 2013 vertritt die VAN DER GRINTEN GALERIE das Werk der 1949 geborenen New Yorker Künstlerin RUTH MARTEN und hat es durch mehrere Solo- und Gruppenausstellungen sowie auch durch Publikationen und Editionen präsentiert und gefördert. Die breite, sehr positive öffentliche Rezeption ihres Werkes durch die Retrospektive „Dream Lover“ im Max Ernst Museum des LVR vor einem Jahr in Brühl sowie die erfolgreiche Vermittlung In zahlreiche Privatsammlungen, Institutionen und Museen bestätigen unsere Bemühungen der letzten Jahren.

Afterlife, my 20th Century“ heißt die Ausstellung in der Van der Grinten Galerie, bei der dieser jüngste Werkblock vom 22. November 2019 bis zum 01. Februar 2020 erstmalig vorgestellt wird.

Bereits während der Eröffnung der für sie sehr wichtigen Werkschau über ihr bisheriges Lebenswerk in Brühl äußerte Ruth Marten den Wunsch, sich an einen neuen Werkzyklus setzen zu wollen. Keine druckgrafischen Blätter aus dem 18. und 19. Jahrhundert sollten ihr als Vorlagen für ihre Interventionen durch Zusatz von Zeichnung und Collage dienen, sondern alte Fotografien vom späten 19. Jahrhundert bis etwa Ende der 40er Jahre.

Diese neuen Arbeiten – zwischen Herbst 2018 und Sommer 2019 entstanden – fallen zunächst durch ihr großes Format auf (bis 70 x 90 cm). Anders als bei ihren bisher bekannten kleinformatigen Werken, die mit den druckgrafischen Eigenschaften spielten und sich daran anlehnten, beschäftigt sich Ruth Marten bei den jüngsten Werken mit den Möglichkeiten des Malerischen. Durch Übermalen von bestimmten Partien werden die gefundenen Originalabzüge überarbeitet, dupliziert, vergrößert und erneut malerisch verändert.

In Kisten liegen gar zu Tausenden alte Fotos namenloser Menschen, die das Geheimnis ihres Ursprungs nie verraten werden. Sie wurden um das Versprechen der Fotografie betrogen, die Zeit anzuhalten und den Tod zu überwinden. Tot und vergessen sind sie inzwischen alle, bis sie die Pinsel von Ruth Marten zu einem neuen Leben – ein ’Afterlife’ – wiedererwecken. Nach eigener Aussage wollte die Künstlerin das „Drama“ betonen. Fasziniert von dem Paradox zwischen den rührend so steifen Posen und dem Ernst der Figuren, die an ein ewiges Testament für die Nachwelt glaubten, und der traurigen Realität einer Vanitas, die uns alle innewohnt.

Durch ihre Eingriffe, das Verdecken und Verstecken durch neue, farbige Flächen, aber auch das Einfügen von eigens gemalten Elementen transformiert Ruth Marten die Vorlagen. Sie nimmt dabei zum Teil radikal so viel von den ursprünglich vorhandenen Bildinformationen weg, dass kaum etwas davon übrig bleibt. Die vielen neuen Leerflächen schaffen den Raum zum Neubeginn. Kompositionen und die Schwerpunkte im Bild werden komplett neu definiert, neue Lesewege geschaffen. Eine Chance, aus dem Nichts wiederaufzuerstehen und Bedeutung wiederzuerlangen: Bei Portraits verschwinden die Gesichter (Men’s FurnishingsElemental, Oracle…), bei Ganzkörperfotografien verschwinden ganze Teile der Körper und der ursprünglichen Umgebung, sowie teils auch die Köpfe (The Power of the Pearl, Blue Vessel). Übrig bleiben Menschen ohne Gesichter, Fenster ohne Aussicht, energiegeladene Gegenstände, Haare, Bärte und Augen, die von allem anderen vollkommen gelöst einfach so im Nichts des Blattes schweben. Viele Indizien für die aus früheren Werken bereits bekannten Obsessionen der Ruth Marten.

Überraschend anders und doch absolut typisch für ihr Universum ziehen die Werke den Betrachter erneut in eine geheimnisvolle Welt voller Rätsel hinein. Trotz des Humors, der auch ihr Markenzeichen ist, sät Ruth Marten einen ernsten, dunklen Unterton in diese poetischen Werke ein. Und lässt uns mit allen Interpretationsmöglichkeiten allein.

Ruth Marten

Afterlife, my 20th Century

November 22, 2019

 — 

February 1, 2020

Seit 2013 vertritt die VAN DER GRINTEN GALERIE das Werk der 1949 geborenen New Yorker Künstlerin RUTH MARTEN und hat es durch mehrere Solo- und Gruppenausstellungen sowie auch durch Publikationen und Editionen präsentiert und gefördert. Die breite, sehr positive öffentliche Rezeption ihres Werkes durch die Retrospektive „Dream Lover“ im Max Ernst Museum des LVR vor einem Jahr in Brühl sowie die erfolgreiche Vermittlung In zahlreiche Privatsammlungen, Institutionen und Museen bestätigen unsere Bemühungen der letzten Jahren.

Afterlife, my 20th Century“ heißt die Ausstellung in der Van der Grinten Galerie, bei der dieser jüngste Werkblock vom 22. November 2019 bis zum 01. Februar 2020 erstmalig vorgestellt wird.

Bereits während der Eröffnung der für sie sehr wichtigen Werkschau über ihr bisheriges Lebenswerk in Brühl äußerte Ruth Marten den Wunsch, sich an einen neuen Werkzyklus setzen zu wollen. Keine druckgrafischen Blätter aus dem 18. und 19. Jahrhundert sollten ihr als Vorlagen für ihre Interventionen durch Zusatz von Zeichnung und Collage dienen, sondern alte Fotografien vom späten 19. Jahrhundert bis etwa Ende der 40er Jahre.

Diese neuen Arbeiten – zwischen Herbst 2018 und Sommer 2019 entstanden – fallen zunächst durch ihr großes Format auf (bis 70 x 90 cm). Anders als bei ihren bisher bekannten kleinformatigen Werken, die mit den druckgrafischen Eigenschaften spielten und sich daran anlehnten, beschäftigt sich Ruth Marten bei den jüngsten Werken mit den Möglichkeiten des Malerischen. Durch Übermalen von bestimmten Partien werden die gefundenen Originalabzüge überarbeitet, dupliziert, vergrößert und erneut malerisch verändert.

In Kisten liegen gar zu Tausenden alte Fotos namenloser Menschen, die das Geheimnis ihres Ursprungs nie verraten werden. Sie wurden um das Versprechen der Fotografie betrogen, die Zeit anzuhalten und den Tod zu überwinden. Tot und vergessen sind sie inzwischen alle, bis sie die Pinsel von Ruth Marten zu einem neuen Leben – ein ’Afterlife’ – wiedererwecken. Nach eigener Aussage wollte die Künstlerin das „Drama“ betonen. Fasziniert von dem Paradox zwischen den rührend so steifen Posen und dem Ernst der Figuren, die an ein ewiges Testament für die Nachwelt glaubten, und der traurigen Realität einer Vanitas, die uns alle innewohnt.

Durch ihre Eingriffe, das Verdecken und Verstecken durch neue, farbige Flächen, aber auch das Einfügen von eigens gemalten Elementen transformiert Ruth Marten die Vorlagen. Sie nimmt dabei zum Teil radikal so viel von den ursprünglich vorhandenen Bildinformationen weg, dass kaum etwas davon übrig bleibt. Die vielen neuen Leerflächen schaffen den Raum zum Neubeginn. Kompositionen und die Schwerpunkte im Bild werden komplett neu definiert, neue Lesewege geschaffen. Eine Chance, aus dem Nichts wiederaufzuerstehen und Bedeutung wiederzuerlangen: Bei Portraits verschwinden die Gesichter (Men’s FurnishingsElemental, Oracle…), bei Ganzkörperfotografien verschwinden ganze Teile der Körper und der ursprünglichen Umgebung, sowie teils auch die Köpfe (The Power of the Pearl, Blue Vessel). Übrig bleiben Menschen ohne Gesichter, Fenster ohne Aussicht, energiegeladene Gegenstände, Haare, Bärte und Augen, die von allem anderen vollkommen gelöst einfach so im Nichts des Blattes schweben. Viele Indizien für die aus früheren Werken bereits bekannten Obsessionen der Ruth Marten.

Überraschend anders und doch absolut typisch für ihr Universum ziehen die Werke den Betrachter erneut in eine geheimnisvolle Welt voller Rätsel hinein. Trotz des Humors, der auch ihr Markenzeichen ist, sät Ruth Marten einen ernsten, dunklen Unterton in diese poetischen Werke ein. Und lässt uns mit allen Interpretationsmöglichkeiten allein.

Ruth Marten

Dream Lover

October 14, 2018

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February 24, 2019

Die Ausstellung vermittelt als erste europäische Retrospektive einen umfassenden Einblick in das Werk der New Yorker Künstlerin Ruth Marten, die durch ihre überraschenden, witzigen und subversiven Überarbeitungen alter Drucke bekannt geworden ist. Das Max Ernst Museum des LVR zeigt Arbeiten aus nahezu fünf Jahrzehnten.

Ruth Marten arbeitete in den 1970er Jahren als Tattoo-Künstlerin und war in den folgenden Jahren als Illustratorin für verschiedene Verlage und amerikanische Zeitschriften tätig. Nach einer umfangreichen Serie, die ihre Faszination für Haare als Motiv und Textur belegt, begann sie 2006 Postkarten, Stiche und Illustrationen der vergangenen Jahrhunderte zu übermalen oder für Collagen zu nutzen.

Ruth Marten

Dream Lover

October 14, 2018

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February 24, 2019

Die Ausstellung vermittelt als erste europäische Retrospektive einen umfassenden Einblick in das Werk der New Yorker Künstlerin Ruth Marten, die durch ihre überraschenden, witzigen und subversiven Überarbeitungen alter Drucke bekannt geworden ist. Das Max Ernst Museum des LVR zeigt Arbeiten aus nahezu fünf Jahrzehnten.

Ruth Marten arbeitete in den 1970er Jahren als Tattoo-Künstlerin und war in den folgenden Jahren als Illustratorin für verschiedene Verlage und amerikanische Zeitschriften tätig. Nach einer umfangreichen Serie, die ihre Faszination für Haare als Motiv und Textur belegt, begann sie 2006 Postkarten, Stiche und Illustrationen der vergangenen Jahrhunderte zu übermalen oder für Collagen zu nutzen.

Ruth Marten

FOUNTAINS & ALLIGATOR – Artist Statement

February 22, 2016

DAS ZEICHNEN IST DIE LEIDENSCHAFT, DIE HINTER ALLEM STEHT«

Glückliche Findigkeit hat alle Entscheidungen bestimmt, die ich seit 2006 bei meinen Collagen getroffen habe. Weil ich ein absoluter Diktator bin, wenn es um meine handwerklichen Manipulationen geht, hielt ich es für klug, mich beim Betrachten eines neuen Bildes ganz meinem Gefühl und der Anziehungskraft des Bildes hinzugeben. Dass ich meine eigene Handschrift oft im traditionellen Stil des Druckes verberge, bereitet mir kein Kopfzerbrechen – schließlich bin ich starrköpfig und diszipliniert genug, um der Fantasie bis zum bitteren Ende freien Lauf zu lassen und den Druck so umso mehr zu meinem Eigentum zu machen.

Den Druck, der der Grundstein zu FOUNTAINS & ALLIGATORS werden sollte, habe ich auf einem Sonntagsflohmarkt in der New Yorker Upper West Side gekauft. Dieser stockfleckige kleine, feine Druck mit der Nummer „497“ wurde im Jahr 1808 gestochen, also noch vor dem Aufkommen der Lithografie und des Großseriendrucks. Er stammt aus einem Buch mit dem Titel „Costume Parisien“, eine der ersten gebundenen Modezeitschriften. Ich entdeckte noch Dutzende davon in den Archiven von Argosy Books & Prints, die den Zeitraum von 1808 bis ins Viktorianische Zeitalter umfassen, als groteske Schmuckelemente in Mode waren und offenbar kein einziges Kleidungsstück ohne sie auskommen durfte. Meine Leute trugen Kleider im Empire-Stil mit seiner Verbindung zu Napoleon und zur griechischen Klassik und mit einer zugleich spürbaren modernen Ausstrahlung. Angesichts der Kargheit, in der sie da in ihrem Rechteck lebten, konnte ich meine eigenen Ergänzungen ganz einfach anbringen und aufgrund ihrer bescheidenen, sittsamen Posen war es beinahe ebenso einfach, sie in spritzende Fontänen zu verwandeln bzw. ihnen krokodilhafte Lebensformen aufzuzwingen. Interessant war auch die Haltung der Menschen: Offenbar war es zu Beginn des 19. Jahrhunderts ganz und gar natürlich, eine Art wehklagende Pose einzunehmen. Man kann sich sehr leicht die verheerenden Auswirkungen einer hohen Kindersterblichkeit und junger Witwenschaft durch Krieg und Krankheit vorstellen. Diese Seiten waren wie eine Fibel für Beerdigungskleidung.

Vielleicht hatten diese gutsituierten Pariser Bürger ja nur auf mein Eingreifen gewartet? Für mich war es jedenfalls die Chance, jeden kleinen Hinweis auf ein Seelenleben der Personen mit Leben zu erfüllen, weiter auszumalen und eine Brücke in unsere heutige Welt zu schlagen, in der wir vielschichtige Bedeutungsebenen brauchen, um uns richtig entfalten zu können. Da lag so viel im Verborgenen, das nur darauf zu warten schien, ausgegraben zu werden! Drapiert man einmal einen Alligator als Schal um die Schultern einer Dame oder verbaut man komplizierte Rohrleitungen in einer Abendrobe, geht es erst richtig los. Jedwede Interpretationen sind willkommen.

Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir auf, dass meine Welt eigentlich eine ganz provinzielle ist, eine, die durch die Straßen und die Geschichte von New York eingegrenzt ist. Ich liebe diese Stadt und es missfällt mir zutiefst, dass sie sich immer mehr in völlig anonyme und seelenlose Architektur auflöst. Das Argosy Books & Prints auf der 59. Straße hat diesen Trend schon immer eigensinnig ignoriert, seine ganze 90-jährige Geschichte hindurch. Wenn man dieses Geschäft betritt, wird man vom Geruch von altem Papier, Knochenleim und dem Dunst vergangener Zeiten geradezu überwältigt. So war es auch schon, als ich 17 war und hier nach der Schule arbeitete, mich um die alten Drucke kümmerte und die gerahmten Exemplare in der ganzen Stadt auslieferte. Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich gefeuert wurde oder kündigte. Letzteres scheint mir allerdings wahrscheinlicher – schließlich war es das Jahr 1966 und ich wollte Geschichte schreiben, nicht geschriebene Geschichte archivieren. Bemerkenswerterweise bin ich aber an diesen Ort, den letzten seiner Art, zurückgekehrt, um die Bücherberge nach dem Kuriosen, dem Verlorenen zu durchforsten.

Die bekannte Vergangenheit gibt uns ein sichereres Gefühl als die unbekannte Zukunft, daran besteht kaum Zweifel. Vielleicht sehne ich mich ja nach der Kameradschaft, die all diese Künstler, Illustratoren, Landkartenzeichner und Sozialsatiriker, deren lebhafte Visualisierungen diese alten Seiten schmücken, mir anbieten. Ich gebe auch zu, ein schwerer Fall von Max-Ernst-Neid zu sein (wer ist das nicht?!), obwohl ich Materialien aus dem 18. Jahrhundert ausgesucht habe. Mich beeindrucken ihr Eifer und ihre Sehnsucht, die ihnen bekannte Welt zu definieren. Diese Kupferstichplatten wurden auf wunderschöne Weise auf handgeschöpftes Büttenpapier gedruckt und waren ursprünglich als Buchillustrationen gedacht. Sie überlebten Brände, Überschwemmungen, Kriege und Desinteresse, bis sie im 20. Jahrhundert von Kupferstichhändlern ausgeschnitten und für den Kunsthandel eingerahmt oder auf Flohmarkttischen feilgeboten wurden. Hier warteten sie geduldig auf ihren zweiten oder dritten Akt, während das, was sie darstellten, längst durch Wissenschaft und Technik ersetzt oder hinfällig gemacht worden war. Hier bin ich zum ersten Mal auf sie gestoßen und habe mir die Zusammenarbeit mit ihnen ausgemalt.     

Kein Mensch hat echtes Interesse an diesen alten Bildern und ich fühle auch keine Schuld wegen meiner Umgestaltungen. Tatsächlich sehe ich es als Zusammenarbeit mit Künstlern aus vergangenen Tagen, die darum bemüht waren, die Entdeckungen und Attitüden ihrer Zeit zu illustrieren, was oft einer Herkulesaufgabe gleichkam. Manchmal mussten sie einem ihnen nur vom Hörensagen bekannten Pelztier Gestalt geben oder die Skizzen eines eine Schiffsexpedition begleitenden Künstlers in sensationelle erste Berichte darüber übertragen, dass die Expedition Beweise entdeckt hat für Kannibalismus! Menschenopfer! Nacktheit! Die Kupferstichkünstler erwarteten die Ankunft des Schiffs am Dock, um dann wie alle guten Reporter so schnell wie möglich der Öffentlichkeit Bilder zu präsentieren, an denen sie sich ergötzen konnte. Menschliche Neugier bringt exakt die gleichen Resultate auch heutzutage hervor.

FOUNTAINS & ALLIGATORS stellt insofern eine Abweichung von meiner Collagenarbeit dar, als sich das Thema über mehrere Dutzend Platten erstreckt. Ansonsten habe ich eigentlich eine eher individuelle Herangehensweise. Vor diesen Collagen war ich 17 Jahre lang damit beschäftigt, Haar darzustellen, und zwar aus allen möglichen Perspektiven. Die Arbeit ändert sich vielleicht, nicht aber die Verbissenheit/Besessenheit. Das Zeichnen ist die Leidenschaft, die hinter allem steht. Was mich interessiert, ist vor allem das „was“ und das „wie“.

Ruth Marten, New York City, 22. Februar 2016

Ruth Marten

FOUNTAINS & ALLIGATOR – Artist Statement

February 22, 2016

DAS ZEICHNEN IST DIE LEIDENSCHAFT, DIE HINTER ALLEM STEHT«

Glückliche Findigkeit hat alle Entscheidungen bestimmt, die ich seit 2006 bei meinen Collagen getroffen habe. Weil ich ein absoluter Diktator bin, wenn es um meine handwerklichen Manipulationen geht, hielt ich es für klug, mich beim Betrachten eines neuen Bildes ganz meinem Gefühl und der Anziehungskraft des Bildes hinzugeben. Dass ich meine eigene Handschrift oft im traditionellen Stil des Druckes verberge, bereitet mir kein Kopfzerbrechen – schließlich bin ich starrköpfig und diszipliniert genug, um der Fantasie bis zum bitteren Ende freien Lauf zu lassen und den Druck so umso mehr zu meinem Eigentum zu machen.

Den Druck, der der Grundstein zu FOUNTAINS & ALLIGATORS werden sollte, habe ich auf einem Sonntagsflohmarkt in der New Yorker Upper West Side gekauft. Dieser stockfleckige kleine, feine Druck mit der Nummer „497“ wurde im Jahr 1808 gestochen, also noch vor dem Aufkommen der Lithografie und des Großseriendrucks. Er stammt aus einem Buch mit dem Titel „Costume Parisien“, eine der ersten gebundenen Modezeitschriften. Ich entdeckte noch Dutzende davon in den Archiven von Argosy Books & Prints, die den Zeitraum von 1808 bis ins Viktorianische Zeitalter umfassen, als groteske Schmuckelemente in Mode waren und offenbar kein einziges Kleidungsstück ohne sie auskommen durfte. Meine Leute trugen Kleider im Empire-Stil mit seiner Verbindung zu Napoleon und zur griechischen Klassik und mit einer zugleich spürbaren modernen Ausstrahlung. Angesichts der Kargheit, in der sie da in ihrem Rechteck lebten, konnte ich meine eigenen Ergänzungen ganz einfach anbringen und aufgrund ihrer bescheidenen, sittsamen Posen war es beinahe ebenso einfach, sie in spritzende Fontänen zu verwandeln bzw. ihnen krokodilhafte Lebensformen aufzuzwingen. Interessant war auch die Haltung der Menschen: Offenbar war es zu Beginn des 19. Jahrhunderts ganz und gar natürlich, eine Art wehklagende Pose einzunehmen. Man kann sich sehr leicht die verheerenden Auswirkungen einer hohen Kindersterblichkeit und junger Witwenschaft durch Krieg und Krankheit vorstellen. Diese Seiten waren wie eine Fibel für Beerdigungskleidung.

Vielleicht hatten diese gutsituierten Pariser Bürger ja nur auf mein Eingreifen gewartet? Für mich war es jedenfalls die Chance, jeden kleinen Hinweis auf ein Seelenleben der Personen mit Leben zu erfüllen, weiter auszumalen und eine Brücke in unsere heutige Welt zu schlagen, in der wir vielschichtige Bedeutungsebenen brauchen, um uns richtig entfalten zu können. Da lag so viel im Verborgenen, das nur darauf zu warten schien, ausgegraben zu werden! Drapiert man einmal einen Alligator als Schal um die Schultern einer Dame oder verbaut man komplizierte Rohrleitungen in einer Abendrobe, geht es erst richtig los. Jedwede Interpretationen sind willkommen.

Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir auf, dass meine Welt eigentlich eine ganz provinzielle ist, eine, die durch die Straßen und die Geschichte von New York eingegrenzt ist. Ich liebe diese Stadt und es missfällt mir zutiefst, dass sie sich immer mehr in völlig anonyme und seelenlose Architektur auflöst. Das Argosy Books & Prints auf der 59. Straße hat diesen Trend schon immer eigensinnig ignoriert, seine ganze 90-jährige Geschichte hindurch. Wenn man dieses Geschäft betritt, wird man vom Geruch von altem Papier, Knochenleim und dem Dunst vergangener Zeiten geradezu überwältigt. So war es auch schon, als ich 17 war und hier nach der Schule arbeitete, mich um die alten Drucke kümmerte und die gerahmten Exemplare in der ganzen Stadt auslieferte. Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich gefeuert wurde oder kündigte. Letzteres scheint mir allerdings wahrscheinlicher – schließlich war es das Jahr 1966 und ich wollte Geschichte schreiben, nicht geschriebene Geschichte archivieren. Bemerkenswerterweise bin ich aber an diesen Ort, den letzten seiner Art, zurückgekehrt, um die Bücherberge nach dem Kuriosen, dem Verlorenen zu durchforsten.

Die bekannte Vergangenheit gibt uns ein sichereres Gefühl als die unbekannte Zukunft, daran besteht kaum Zweifel. Vielleicht sehne ich mich ja nach der Kameradschaft, die all diese Künstler, Illustratoren, Landkartenzeichner und Sozialsatiriker, deren lebhafte Visualisierungen diese alten Seiten schmücken, mir anbieten. Ich gebe auch zu, ein schwerer Fall von Max-Ernst-Neid zu sein (wer ist das nicht?!), obwohl ich Materialien aus dem 18. Jahrhundert ausgesucht habe. Mich beeindrucken ihr Eifer und ihre Sehnsucht, die ihnen bekannte Welt zu definieren. Diese Kupferstichplatten wurden auf wunderschöne Weise auf handgeschöpftes Büttenpapier gedruckt und waren ursprünglich als Buchillustrationen gedacht. Sie überlebten Brände, Überschwemmungen, Kriege und Desinteresse, bis sie im 20. Jahrhundert von Kupferstichhändlern ausgeschnitten und für den Kunsthandel eingerahmt oder auf Flohmarkttischen feilgeboten wurden. Hier warteten sie geduldig auf ihren zweiten oder dritten Akt, während das, was sie darstellten, längst durch Wissenschaft und Technik ersetzt oder hinfällig gemacht worden war. Hier bin ich zum ersten Mal auf sie gestoßen und habe mir die Zusammenarbeit mit ihnen ausgemalt.     

Kein Mensch hat echtes Interesse an diesen alten Bildern und ich fühle auch keine Schuld wegen meiner Umgestaltungen. Tatsächlich sehe ich es als Zusammenarbeit mit Künstlern aus vergangenen Tagen, die darum bemüht waren, die Entdeckungen und Attitüden ihrer Zeit zu illustrieren, was oft einer Herkulesaufgabe gleichkam. Manchmal mussten sie einem ihnen nur vom Hörensagen bekannten Pelztier Gestalt geben oder die Skizzen eines eine Schiffsexpedition begleitenden Künstlers in sensationelle erste Berichte darüber übertragen, dass die Expedition Beweise entdeckt hat für Kannibalismus! Menschenopfer! Nacktheit! Die Kupferstichkünstler erwarteten die Ankunft des Schiffs am Dock, um dann wie alle guten Reporter so schnell wie möglich der Öffentlichkeit Bilder zu präsentieren, an denen sie sich ergötzen konnte. Menschliche Neugier bringt exakt die gleichen Resultate auch heutzutage hervor.

FOUNTAINS & ALLIGATORS stellt insofern eine Abweichung von meiner Collagenarbeit dar, als sich das Thema über mehrere Dutzend Platten erstreckt. Ansonsten habe ich eigentlich eine eher individuelle Herangehensweise. Vor diesen Collagen war ich 17 Jahre lang damit beschäftigt, Haar darzustellen, und zwar aus allen möglichen Perspektiven. Die Arbeit ändert sich vielleicht, nicht aber die Verbissenheit/Besessenheit. Das Zeichnen ist die Leidenschaft, die hinter allem steht. Was mich interessiert, ist vor allem das „was“ und das „wie“.

Ruth Marten, New York City, 22. Februar 2016

Ruth Marten

The Unvarnished Truth

November 7, 2013

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December 21, 2013

»The Unvarnished Truth« ist die erste umfangreiche Einzelausstellung der New Yorker Künstlerin Ruth Marten (*1949, NY) in Deutschland.

Nach ihrem Kunststudium an der High School of Art & Design, NY und am Boston Museum of Fine Arts, war Marten von 1973 bis 1980 in der Undergroundszene als Tatookünstlerin tätig, noch zu einer Zeit, in der diese Ausdrucksform in den USA nicht legalisiert war. 1977 tatooierte sie im Musée National d‘Art Moderne de la Ville de Paris während der 10. Pariser Kunstbiennale. Seit den 80er Jahren wurde sie als Illustratorin mit außergewöhnlicher zeichnerischer Begabung regelmäßig von namenhaften Buchverlagen und Musiklabels, Firmen der Modeindustrie und den wichtigen amerikanischen Tageszeitungen gebucht und kooperierte über 30 Jahre mit Jean Paul Goude. Ihre Fähigkeit, alle möglichen Mittel der Illustration zu beherrschen, schloss von Anfang an den geschickten Einsatz von Übermalung und Collage mit ein, Techniken, die ihre aktuelle freie Arbeit maßgeblich prägen. Seit einigen Jahren nun widmet sich Ruth Marten ganz ihrer freien künstlerischen Arbeit, die seitdem sowohl in Instituten und Museen wie Privatgalerien in den USA und England gezeigt wird, u.a. Halsey Institute Charelston, Skidmore College, Palo Alto Art Center, Museum for Natural History New York, Adam Baumgold Gallery und Hosfelt Gallery.

Der Kosmos von Ruth Marten‘s Bildfindungen ist schier grenzenlos, denn sie schöpft aus dem reichen Schatz der westlichen Kulturgeschichte in Gestalt von Drucken aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Diese Originalgrafiken stammen meist aus Enzyklopädien, in denen das Wissen der Welt bebildert wird, aus zoologischen Atlanten oder Katalogbänden mit Möbeln oder Einrichtungsgegenständen und bevölkern die Flohmärkte und Antiquariate, in denen Ruth Marten sie findet und ihnen zu Hause in ihrem Atelier neues Leben einhaucht. So fügt sie mit dem gleichen akribischen Strich, durch Collagieren und Kolorieren Elemente hinzu und verschafft ihnen dadurch ein sichtbares Unterbewusstsein, das sich als subversiv, poetisch, sexuell aufgeladen, verspielt oder bösartig entpuppt. Ruth Martens Papierarbeiten sind in ihrer Meisterhaftigkeit einzigartig und stehen in der gleichen Tradition wie Max Ernst und Jan Svankmajer.

Zur Ausstellung gibt die Van der Grinten Galerie in Zusammenarbeit mit dem Halsey Institute for Art Charleston im Kölner Verlag Stefan Schuelke Fine Books das Buch »Ruth Marten, The Unvarnished Truth« mit Texten von Jean-Christophe Ammann, Mark Sloan, Rachel Guthrie und John Marchant heraus.

Außerdem erscheint eine Collector‘s Edition (Buch + Collage Aufl. 35 zum Preis von 385,00 € inkl . MwSt)

Ruth Marten

The Unvarnished Truth

November 7, 2013

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December 21, 2013

»The Unvarnished Truth« ist die erste umfangreiche Einzelausstellung der New Yorker Künstlerin Ruth Marten (*1949, NY) in Deutschland.

Nach ihrem Kunststudium an der High School of Art & Design, NY und am Boston Museum of Fine Arts, war Marten von 1973 bis 1980 in der Undergroundszene als Tatookünstlerin tätig, noch zu einer Zeit, in der diese Ausdrucksform in den USA nicht legalisiert war. 1977 tatooierte sie im Musée National d‘Art Moderne de la Ville de Paris während der 10. Pariser Kunstbiennale. Seit den 80er Jahren wurde sie als Illustratorin mit außergewöhnlicher zeichnerischer Begabung regelmäßig von namenhaften Buchverlagen und Musiklabels, Firmen der Modeindustrie und den wichtigen amerikanischen Tageszeitungen gebucht und kooperierte über 30 Jahre mit Jean Paul Goude. Ihre Fähigkeit, alle möglichen Mittel der Illustration zu beherrschen, schloss von Anfang an den geschickten Einsatz von Übermalung und Collage mit ein, Techniken, die ihre aktuelle freie Arbeit maßgeblich prägen. Seit einigen Jahren nun widmet sich Ruth Marten ganz ihrer freien künstlerischen Arbeit, die seitdem sowohl in Instituten und Museen wie Privatgalerien in den USA und England gezeigt wird, u.a. Halsey Institute Charelston, Skidmore College, Palo Alto Art Center, Museum for Natural History New York, Adam Baumgold Gallery und Hosfelt Gallery.

Der Kosmos von Ruth Marten‘s Bildfindungen ist schier grenzenlos, denn sie schöpft aus dem reichen Schatz der westlichen Kulturgeschichte in Gestalt von Drucken aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Diese Originalgrafiken stammen meist aus Enzyklopädien, in denen das Wissen der Welt bebildert wird, aus zoologischen Atlanten oder Katalogbänden mit Möbeln oder Einrichtungsgegenständen und bevölkern die Flohmärkte und Antiquariate, in denen Ruth Marten sie findet und ihnen zu Hause in ihrem Atelier neues Leben einhaucht. So fügt sie mit dem gleichen akribischen Strich, durch Collagieren und Kolorieren Elemente hinzu und verschafft ihnen dadurch ein sichtbares Unterbewusstsein, das sich als subversiv, poetisch, sexuell aufgeladen, verspielt oder bösartig entpuppt. Ruth Martens Papierarbeiten sind in ihrer Meisterhaftigkeit einzigartig und stehen in der gleichen Tradition wie Max Ernst und Jan Svankmajer.

Zur Ausstellung gibt die Van der Grinten Galerie in Zusammenarbeit mit dem Halsey Institute for Art Charleston im Kölner Verlag Stefan Schuelke Fine Books das Buch »Ruth Marten, The Unvarnished Truth« mit Texten von Jean-Christophe Ammann, Mark Sloan, Rachel Guthrie und John Marchant heraus.

Außerdem erscheint eine Collector‘s Edition (Buch + Collage Aufl. 35 zum Preis von 385,00 € inkl . MwSt)

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Dream Lover

Trailer, 2018