Maiden Voyage
14/11/2026

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16/01/2027

Seit 2022 arbeitet die New Yorker Künstlerin Ruth Marten an einer Bildserie, die auf sepiagetönten Heliogravüren aus der Art Deco Zeit basiert. Die Pariser Librairie des Arts Décoratifs gab 1923 das damals gewagte – und sicherlich gerade deshalb sehr erfolgreiche – Portfolio „NUS“ heraus, das aus hundert Aufnahmen einzelner, nackt tanzender Mädchen besteht. Laryew – ein Pseudonym von Stanislas Waléry (1863–1935) – war der Autor. Er hatte sich als Starfotograf der Revuetänzerinnen und Tänzer des Pariser Nachtlebens jener Zeit einen Namen gemacht. Zunächst entdeckte Ruth Marten diese wunderbaren Photogravüren als Einzelblätter. Als sie später erfuhr, dass diese Bilder Teil eines so umfangreichen Ensembles waren, beschloss sie, alle hundert Druckgrafiken zu überarbeiten und so den größten, zusammenhängenden Werkkomplex zu schaffen, der einige Jahre in Anspruch nehmen sollte und noch nicht abgeschlossen ist. In der Ausstellung Maiden Voyage zeigen wir in einem langen Fries fünfundzwanzig Werke aus diesem Zyklus, die zwischen 2022 und 2026 entstanden sind. 

Ruth Marten betont gerne, dass es ihr nicht so sehr darum geht, sich die historischen Vorlagen, die sie überarbeitet, anzueignen, sondern vielmehr, sich in sie hineinzuversetzen – dabei nimmt sie sowohl die Perspektive der dargestellten jungen Frauen als auch die des Fotografen ein. Die Infragestellung von Authentizität und Originalität durch die Überarbeitung historischer Bilder spiegelt auch hier die postmoderne Skepsis gegenüber Wahrheitsansprüchen wider. Ob nun mit Tusche, Collage und Aquarell auf Kupferstiche aus dem 18. Jh. oder mit deckenden Gouachefarben auf Fotogravüren aus dem frühen 20. Jh., immer verlagern ihre Interventionen die bestehenden Darstellungen in völlig neue, oftmals sehr kryptische Szenerien. Der Fokus auf visuelle Details und Transformationen fordert den Betrachter auf, seine Wahrnehmung zu hinterfragen und neu zu erleben. 

Angesichts der tanzenden nackten Mädchen von Laryew leitet Ruth Marten eine ganz bestimmte Ambivalenz ab: Es geht nämlich um die Diskrepanz zwischen dem revolutionären Ansatz der 1920er Jahre, der auf die Befreiung des Körpers abzielte und sich insbesondere in den charakteristischen Posen ausdrückt, und dem nach wie vor männlich dominierten Blick auf die weibliche Erotik. Um sowohl intellektuell als auch künstlerisch auf jedes einzelne Blatt individuell zu reagieren, setzt sich die Künstlerin intensiv mit jedem „ihrer Girls“ auseinander, und erzeugt durch diese „Beziehung“ eine Art Energieübertragung. In diesem Zyklus interessiert sie sich vor allem für das Thema des Weiblichen sowie für Prozesse der weiblichen Selbstbehauptung und Befreiung. Ihre Übermalungen und Transformationen ermöglichen es den Mädchen nun, all ihre Fantasien auszuleben, sich zu verwandeln, Spaß zu haben, hervorzusprudeln, zu strahlen, sich aufzulösen. Dabei begegnen wir allen typischen Motiven aus Ruth Marten’s Bilderwelt wieder: Haare, Krokodile, Perlen und Schmuck, sprudelnde Wasserquellen, Pflanzen, Augen, Kokons und Tattoos. Unermüdlich schenkt uns Ruth Marten Werke voller Poesie, zügelloser Subversion, Leichtigkeit, aber auch lustvollem Humor und tiefgründigem Geist.

Opening

13/11/2026
, 18:00

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21:00
Ruth Marten ist anwesend