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Ankündigung: PORTRAIT OF AN ARTIST, 2017

21.01. - 25.02.2017  

 

Fernando de Brito (*1956 , lebt in Hamburg) und Marcus Neufanger (*1964, lebt in Schwäbisch Hall) setzen sich intensiv mit den Möglichkeiten auseinander, Künstlerpersönlichkeiten zu portraitieren, das heißt, sich künstlerisch in ein Verhältnis zu deren Ausstrahlung, ihrer Bedeutung und dem Wesen ihres Werkes zu setzen. Dabei könnten die Ansätze beider Künstler unterschiedlicher nicht sein. Dieses Spannungsverhältnis untersucht die Ausstellung PORTRAIT OF AN ARTIST, die die Van der Grinten Galerie zum Jahresanfang zeigt und zu deren Eröffnung am Freitag, den 20.01. um 18:00 h wir Sie herzlich einladen.

Fernando de Brito, der an der Hochschule der Bildenden Künste in Hamburg studierte und danach unter anderem 1982 Assistent von Kenneth Noland in New York war, widmet einen Bereich seiner vielseitigen künstlerischen Arbeit „seismografischen“ zum Teil großformatigen Kugelschreiberzeichnungen, die eine Innenwelt offenbaren, wo sich Künstler und Künstler begegnen. Es sind Bilder von hoher sensibler Verdichtung. Die zunächst parallel angelegten Linien scheinen den Moment ihres Ausschlages, ihres Pulses selbst bestimmt zu haben, so lebendig, vibrierend und doch einer inneren Ordnung folgend verlaufen sie über das Papier und bilden eine feine, gewebeartige Struktur, die den Bildraum öffnet oder vertieft. De Brito begegnet Samuel Beckett, Morton Feldman, Elias Canetti oder Eva Hesse, und jedes dieser Portraits ist wie ein Kosmos aus der Summe der Facetten der Persönlichkeit, die es darstellt. Neben diesen überwiegend neuen Arbeiten zeigen wir einige Künstlerbücher von Fernando de Brito.

Marcus Neufanger, dessen Arbeiten wir 2014 in seiner ersten Einzelausstellung PORTRAITS, BOOKS, VANITY PLATES und der gleichnamigen Publikation vorgestellt haben, zeigt in der aktuellen Ausstellung den 40 Zeichnungen umfassenden Block „Titled/Untitled“. Auch bei diesen Cover-Zeichnungen ist das Ausgangsmaterial Neufangers umfangreicher Kunstbuchbibliothek entlehnt. Künstlerbücher und -kataloge sind ja seit den 60er Jahren als eigenständige Werke zu verstehen, die ihre Verbreitung durch die Druckauflage suchen. In dem Maße, wie ein Künstler sein „Werk“ typografisch, ästhetisch und medial autorisiert oder gar selbst gestaltet, gibt es Aufschluss über sein Denken, seine Ideen und seine Botschaften. Neufanger sieht hierin zu Recht ein Portrait, abstrahiert aber den Gebrauchsgegenstand Buch zu einem Bild, das als Bild gelesen, aber nicht mehr als Buch durchgelesen werden kann. Alles Weitere spielt sich nun auf der Bildoberfläche ab und führt zurück auf die Zeichnung als reine Zeichnung.

 

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