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"IN A ROOM WITH NO WINDOW", 2016


Installation von Cosima Hawemann und Simon Schubert

bis zum 19. März 2016

Cosima Hawemann und Simon Schubert zeigen in der gemeinsam entworfenen Rauminstallation IN A ROOM WITH NO WINDOW neue Arbeiten von verstörender Dichte und suggestiver Ausstrahlung. Der Besucher betritt einen Raum, der den Anschein und die Atmosphäre hat von etwas, das sich wie ein Traum, ein Albtraum materialisiert hat: dunkel, unheimlich, gleichzeitig voller Geheimnisse und Herausforderungen. 

Cosima Hawemann zeigt an den mit dunkelgrün tapezierten Wänden neue Malereien und kleinformatige Übermalungen aus zwei gerade entstandenen Serien: „La Voix Humaine“ und „Shadowplay“. Die erste, angelehnt an die Verfilmung des gleichnamigen Ein-Personen-Stücks von Jean Cocteau, nimmt Stills mit der einsam telefonierenden Ingrid Bergmann zum Ausgangsmaterial. Hawemann bearbeitet zunächst die Originalfotos im Computer, wobei sie in Farbigkeit, Kontraste und Hintergrund zum Teil stark eingreift und allein dadurch ihre Atmosphäre verstärkt. Anschließend übermalt sie die Ausdrucke und überzieht sie mit malerischem Duktus, so dass kabinetthafte Gemälde entstehen, die ein merkwürdiges, aber durch und durch beherrschtes Leben zwischen Vergangenheit und Zeitlosigkeit führen. Die zweite Serie besteht aus malerischen Paraphrasen über Fotografien von Diane Arbus, deren Ausdrucksstärke durch die zum Teil gestischen Übermalungen drastisch gesteigert wird.

Auch die größeren Formate bedienen sich Siebdruck, Schablonen und Print von Fotografien, die hier aber aus ihrem persönlichen Umfeld sind bzw. eigene Aufnahmen. Bei ihnen ist die Malerei pastos und von manchmal quälender Ausdruckssteigerung, gleichzeitig aber in ihrer Zerbrechlichkeit und Sensibilität von verführerischer Schönheit.

In vielfacher Hinsicht erscheinen Paradoxe: Das Telefon zieht das Gegenüber aus der Ferne in greifbare Nähe. Es bleibt Einbildung. Die Telefonierende einsam. Malerei und fotografische Vorlage verschmelzen zu Überwirklichkeit, die trotzdem unnahbar bleibt. Und schließlich Simon Schuberts jüngste Multiple-Serie von Schlüsseln, deren Ring das eigene Schloss ist. Der Besucher bleibt konfrontiert mit eigenen Ängsten, Bildern, Unauflöslichkeiten. 

Zu Schuberts Schlüsseln, die aufgereiht wie eine zerlegte Wirbelsäule auf einem von schwarzen Haaren bedeckten flachen Tisch stehen, kommt die Skulptur eines niedrigen Sessels. Beide stehen auf einem dunklen Teppich aus lebendem Moos, dessen Schillern und unruhiges Changieren eine Entsprechung in der Tapete an den Wänden hat. Schließlich ruht auf einem breiten Bleisockel die spektakulärste Skulptur der Ausstellung: Ein menschlicher Schädel im Verhältnis 1:1, den Schubert aus einem massiven Block Grafit geschnitzt und anschließend matt poliert hat. Er ist nicht rein naturalistisch, sondern stilisiert und erfährt durch das Einbohren einer schlüssellochförmigen Öffnung am Hinterkopf eine ihn gleichzeitig abstrahierende Nüchternheit. 

Simon Schubert und Cosima Hawemann studierten beide an der Kunstakademie Düsseldorf und leben in Köln. Diese jüngste Rauminstallation ist die Fortsetzung eines labyrinthisch sich ausbreitenden Gesamtkunstwerkes, an denen die Künstler seit Jahren arbeiten.

Die Galerie bietet eine Reihe von Publikationen zu den Arbeiten von Simon Schubert und Cosima Hawemann an. 

Die Verwendung der außergewöhnlichen Tapeten verdanken wir dem Kölner Designer Bernhard Holzapfel und der Firma Topli Wallcoverings Bejing.

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