Artists > Representing > Christoph Knecht > Christoph Knecht Texts > Pressetext EUROPA, 2017 (Dt.)

Pressetext EUROPA, 2017 (Dt.)


Nach Ausstellungen im Herzliya Museum of Contemporary Art, Herzliya, im MMK3, Frankfurt/M. und im Künstlerforum Bonn ist die Arbeit „Europa“ die bisher geschlossenste Installation mit Keramik-Fliesen, die die jüngst entstandenen Arbeiten mit einschließen. 

An die gesamten Innenwände der beiden Ausstellungsräume der Van der Grinten Galerie mit ihren historischen Konnotationen der Mitte des 19. Jahrhunderts setzt Christoph Knecht einen aus über 3.000 handbemalten Fliesen bestehenden Fries. Die mit der Majolika Technik bemalten Fliesen sind an die Kunst der Azulejos aus Portugal angelehnt und im typischen Kobaltblau gehalten. Durch die Wahl dieses künstlerischen Mediums und der Arbeitstechnik, verweist der Künstler einerseits auf die Geschichte Europas im Zeitalter des Kolonialismus, zum anderen deuten  ihre Motive auf dessen Auswirkungen hin.

Europa als Erfinder des fortwährenden technischen und kulturellen Fortschritts sucht seine neue Stellung in der globalen Welt. Hat es sie in den vergangenen Jahrhunderten erobert, sieht es sich nun mit den Folgeerscheinungen dieser Beutezüge konfrontiert. Der Titel bezieht sich somit auf die Auseinandersetzung des Künstlers mit der eigenen Kultur und Geschichte und dem Wandel durch aktuelle gesellschaftliche, kulturelle und politische Einflüsse.

Durch die künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Themen, bei der das Medium ein wesentlicher Bestandteil der Botschaft ist, schlägt er eine Brücke in die Jetztzeit und stilisiert den Döner (als in Bronze gegossene und handbemalte Skulptur) zum Symbol für ein Deutschland seiner Generation, innerhalb eines multikulturellen Europas. Mit dieser romantisierten Rückführung auf das Handwerk und dem Bruch mit der Effizienz technologischer Herstellungsprozesse formt er eine neue Sprache und beschreibt die komplexe, aber dennoch sehr positive Beziehung zu seiner eigenen Heimat. Durch die Aneignung kultureller Codes und tradierter Produktionsprozesse betreibt Christoph Knecht eine gesellschaftspolitische Untersuchung seiner eigenen Kultur zu Beginn eines neuen, globalen Zeitalters.

Die Beschäftigung mit dem Material der glasierten Kachel als Bildträger ist typisch für Christoph Knechts doppeltes Interesse an traditionellen Techniken und deren Verwendung im Alltag.

Go back