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Ruth Marten, The Moon’s Mirror, 20. Nov. bis 29. Jan. 2022, Solo Show

 

The Moon’s Mirror ist Ruth Martens bereits vierte Einzelausstellung, die die Van der Grinten Galerie der New Yorker Künstlerin widmet, und wir freuen uns sehr, dass Ruth Marten auch persönlich zur Eröffnung nach Köln kommen wird.

Das Frühjahr des Jahres 2020 und die sich anschließende Zeit bis in den diesjährigen Sommer - einer beunruhigenden und äußerst herausfordernden Zeit - war sicherlich für alle von uns ein massiver Einschnitt. In New York City, Ruth Martens Lebensmittelpunkt, war die Situation von Anfang an dramatisch und schien für lange Zeit nahezu ausweglos. Was blieb, war neben dem Funken und Telefonieren in alle Himmelsrichtungen vor allem das Durchforschen des eigenen Raums: das Öffnen von Schachteln, Büchern, Ordnern und Mappen und das Durchspülen selbst der kleinsten Schnipsel Papier mit Leben.

Ruth Marten schreibt über diese Zeit:„Während ich in erzwungener Einsamkeit lebte, fühlte ich mich nichtsdestoweniger sehr verbunden mit meiner Community und all den Leben, die wir zusammen erfunden haben. Das Phänomen der Verbundenheit kam in den Zeichnungen zum Tragen, und überrascht sah ich, wie sehr die »Apparate« mich an Perpetuum-Mobile-Maschinen erinnerten. Auch sind manche Bilder mit Informationen vollgestopft, andere dagegen recht karg. Ich liebe diese Kinder gleichermaßen und versuche für ihr Ausschlüpfen empfänglich zu sein.“

Wohl im permanenten Wechsel entstanden die unter sich sehr unterschiedlichen Papierarbeiten, explosionshaft und mikrokosmisch, verrätselt und offensiv, verletzlich und rabiat, zuweilen düster, und doch voller pulsierendem, unverwüstlichem Humor.

Wenn wir Ihre Retrospektive im Brühler Max Ernst Museum 2018-2019 vor Augen haben, die bereits einen überwältigenden Einblick in Ruth Martens facettenreiches Schaffen der letzten 40 Jahre ermöglichte, erleben wir nun inmitten dieser jüngsten Werken, dass sich die Dynamik in ihrer künstlerischen Suche weiter fortsetzt.

In der Ausstellung ‚The Moon’s Mirror’ finden sich zwar alle technischen Mittel von Ruth Marten wieder - Tusche, Aquarell, Gouache, Collage, Verwendung von druckgrafischen Bildvorlagen aus dem 18. und Fotografien aus dem später 19. und frühen 20. Jahrhundert. Um so spannender ist es aber zu sehen, welche Spannbreite diese Arbeiten bespielen: Ein Teil der Bilder stellt rätselhaft-poetische, surreale Szenerien dar, in denen das Imaginäre leicht hinein taucht und beflügelt wird, wie zum Beispiel die punktuellen Eingriffe auf den alten kleinformatigen Fotoportraits - eine nach Martenschen Stil surrealistische Portraitgalerie. Ein anderer Teil der Werke greift nach etwas anderem, einer Freiheit, die mit Sprengung und Zerstörung der üblichen kompositorischen Gewohnheiten einhergeht. Es sind extrem reduzierte Kompositionen aus wenigen, mit Tusche gezeichneten und collagierten Elementen, die fast wie Fremdkörper durch das leere Blatt Papier schweben. Die Balance wird mit künstlerischem Instinkt austariert. Ganz überladen mit Farbflächen und Elementen sind hingegen andere Werke, die eine kühne, mosaikartige Mischung aus Abstraktem und Figürlichem wagen und nach akribischer Betrachtung verlangen.

Ruth Martens Arbeiten sind in zahlreichen privaten und institutionellen europäischen und nordamerikanischen Sammlungen vertreten.

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